große Coup, Der

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Bewertung
****
Originaltitel
Charley Varrick / Kill Charley Varrick
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1973
Darsteller

Walter Matthau, Joe Don Baker, Felicia Farr, Andrew Robinson, Sheree North

Regie
Don Siegel
Farbe
Farbe
Laufzeit
106 min
Bildformat
Widescreen

 


 

Der grosse Coup-Poster-web1.jpg Der grosse Coup-Poster-web2.jpg Der grosse Coup-Poster-web4.jpg Der grosse Coup-Poster-web3.jpg

© Universal Pictures

Über der verschlafenen Gemeinde Tres Cruces, New Mexico, erhebt sich die Morgensonne. Die ansässige Western Fidelity Bank steht außerhalb des Ortes und eine Limousine, ein Lincoln Continental, fährt an diesem heißen Vormittag geruhsam vor. Darin sitzen der ältliche Mr. Pittis (Walter Matthau) mit seinem gebrochenen Bein und am Steuer seine Ehefrau (Jacqueline Scott). Letztere erklärt Deputy Sheriff Steele (Colby Chester), der die beiden über das Halteverbot vor der Bank informiert, dass ihr Ehemann leider etwas eigensinnig ist, und Steele lässt die beiden dort parken. Er und sein Kollege Deputy Sanchez (Rudy Fiaz) fahren von dannen. Indessen betritt Pittis die Bank; seine Frau bleibt im Wagen. Am Schalter möchte Pittis gern einen Scheck einlösen, doch die Kassiererin Miss Ambar (Priscilla Garcia) ist unsicher und will das lieber mit dem Bankmanager Harold Young (Woodrow Parfrey) abklären… Deputy Steele grübelt wegen des Nummernschilds des Lincoln, das er sich gemerkt hat. Er erkundigt sich via Funk, ob die Zulassung aus Colorado vielleicht in einer Liste gestohlener Fahrzeuge enthalten sei. Tatsächlich zeigt sich, dass die Nummer diejenige eines gestohlenen Wagens ist, allerdings nicht die eines Lincolns, und die beiden Polizisten kehren um. In der Bank zückt der vermeintliche Mr. Pittis, tatsächlich ein Mann namens Charley Varrick, eine Pistole und seine längst in der Bank befindlichen Helfer Al Dutcher (Fred Scheiwiller) und Harman Sullivan (Andrew Robinson) springen hinzu…

 

“Andrew Robinson (…) appeared in director Siegel’s great neo-noir Charley Varrick in 1973 (…) the director’s underrated classic about a gang of bank robbers targeted by the mob” heißt es in der Rezension von Taste of Cinema zu den 20 besten Neo-Noir-Filmen der 70er Jahre. Genau genommen spielte Robinson ebenso wie John Vernon und Percy Randolph bereits in Siegels Überraschungserfolg Dirty Harry (USA 1971). Auch Sheree North (Nur noch 72 Stunden, USA 1968), Tom Tully, Charlie Briggs, William Schallert (Terror in Block 11, USA 1954) und Norman Fell (Der Tod eines Killers, USA 1964) hatten schon mit Don Siegel gearbeitet. Lalo Schifrin war zum vierten Mal Komponist einer Filmmusik für einen Siegel-Film und Dean Riesner, der nach John Reeses Roman Heiße Beute - im Original The Looters (EA 1968) - das Drehbuch schrieb, hatte auch für Dirty Harry das Skript mitverfasst. Neu war für Siegel die Zusammenarbeit mit Walter Matthau, der der Schublade des ewigen Komödiendarstellers zu entrinnen hoffte, aber die beiden kamen nicht gut miteinander aus. Matthau hatte manches am Skript auszusetzen und der erfahrene Don Siegel hatte keineswegs die Absicht, sich von ihm reinreden zu lassen. Es wurde für beide eine schwierige Produktion. Dass Matthau im Anschluss über sein neustes Werk der Journaille wenig Gutes zu berichten wusste, hat mitbedingt, dass Universal Studios am fertigen Film das Interesse verlor und jener bald aus den Kinos verschwand. Im Gegensatz zu Getaway (USA 1972), der thematisch und stilistisch verwandten Jim-Thompson-Verfilmung des Don-Siegel-Zöglings Sam Peckinpah, wurde Ein großer Coup zum Misserfolg. Das erscheint aus heutiger Sicht verblüffend. Wie manch anderer Siegel-Film ist auch dieser vorzüglich gealtert und lebt nicht allein von seinen Darstellern, einem knackigen Skript und den Schauplätzen sondern eben auch von der pointierten Dramaturgie Siegels, der seit den 30er Jahren im Filmgeschäft und seit seinem Film Noir The Verdict (USA 1946) mit Sydney Greenstreet und Peter Lorre als Regisseur tätig war.

 

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© Koch Media GmbH

“You know what dirty money is?” Kunstflieger und Lebenskünstler Charley Varrick verliert seine Frau und er gewinnt nicht, was er sich erhofft hat, als er mit einer dreiviertel Million US-Dollar aus dem Besitz der Mafia auf der Flucht ist. Don Siegels Film hat eine grandiose Eröffnungssequenz, auch sie eine Parallele zu Peckinpahs Getaway, und über weite Strecken erweist sich sein Drama als überaus präzise und gnadenlos. Im letzten Drittel verwässert Varricks Treffen mit Sybil Fort (Felicia Farr) die bis dato ernste und harte Stringenz der Handlung; sein schneller Erfolg erscheint etwas hastig und der üblichen Drehbuchschule Hollywoods entsprungen. Das Finale ist clever inszeniert, allemal nicht wirklich jene Art Überraschung, die es vorgibt zu sein. Als ein Werk, das einen Bezug zu Film-Noir-Dramen à la Die Rechnung ging nicht auf / Killing (USA 1956) oder Asphalt-Dschungel / Raubmord (USA 1950) herstellt, wurde Der große Coup auch für das jährliche Filmfestival der Film Noir Foundation, San Francisco, für Noir City im Januar 2017 auserkoren und das mit vollem Recht. Der flotte und großteils konsequent harte Neo Noir beschloss eine Serie exzellenter Film Noirs von einem Regisseur, der wie Peckinpah, Raoul Walsh oder Michael Curtiz zu Lebzeiten wenig Wertschätzung erfuhr. In John Flynns artverwandtem Neo Noir Revolte in der Unterwelt (USA 1973) traten sowohl Joe Don Baker als auch Sheree North in ähnlichen Rollen auf.

 

Exzellente deutsche DVD- Edition (2007) der e-m-s new media AG als Collector’s Edition in deren Reihe Meisterwerke der Filmgeschichte mit dem Film bild- und tontechnisch einwandfrei restauriert, ungekürzt und im Originalformat, dazu den original englischen Ton und eine deutsche Tonspur, optional deutsche Untertitel, inklusive eines 16-seitigen Booklets von Mike Siegel mit Filmessay, Produktionsnotizen und Filmfotos, das Ganze im Pappschuber. Die 2015 von der Koch Media GmbH auf den Markt gebrachte 2DVD bzw. Blu-ray als sogenannte Special Edition übertreffen die Bild- und Tonqualität der Erstausgabe sogar und glänzen mit zusätzlichen Extras. Mike Siegels Booklet gibt es als Reprint, dazu die 72minütige Dokumentation Last Of The Independents: Don Siegel and The Making Of Charley Varrick inklusive deutscher Untertitel, als Kuriosität eine 17minütige Super-8-Version mit Filmausschnitten und eine Bildergalerie mit Werbematerial. Vorbildlich!

 

Neo Noir | 1973 | USA | Don Siegel | Andrew Robinson | Joe Don Baker | John Vernon | Tom Tully | Walter Matthau | William Schallert | Felicia Farr | Sheree North

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