Tequila Sunrise

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Bewertung
***
Originaltitel
Tequila Sunrise
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1988
Darsteller

Mel Gibson, Michele Pfeiffer, Kurt Russell, Raul Julia, J.T. Walsh

Regie
Robert Towne
Farbe
Farbe
Laufzeit
111 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Warner Bros.

Los Angeles, Kalifornien: Rechtsanwalt Andy Leonard (Arye Gross) befindet sich in Begleitung von Dale “Mac“ McKussic (Mel Gibson) auf dem Weg zu einem Kokainhandel im Zimmer eines schäbigen Hotels. Dale McKussik ist selbst ehemaliger Drogenhändler, der seinem Anwalt bei dem Deal zur Seite steht, doch er mag den Ort der Übergabe nicht und entdeckt Erdnussschalen auf der Feuertreppe, einem möglichen Fluchtweg. Dale begreift, dass sie in eine Falle gelockt wurden, versteckt das Kokain im Spülkasten der Toilette, als es bereits an der Tür klopft und der vermeintliche Drogendealer Leland (Tom Nolan) zusammen mit Police Detective Lt. Nicholas „Nick“ Frescia (Kurt Russell) eintritt. Leland stellt ihn als Partner vor und Nick bringt erstmal seine Abneigung wider Dale zum Ausdruck. McKussick willigt ein im Auto auf Andy zu warten, auch Nick verlässt den Raum, doch im Korridor wird klar, dass die beiden sich längst kennen. Dale hat mit dem Drogenhandel aufgehört, wollte Andy lediglich einen Gefallen zu, doch Nick hält das für eine abstruse Ausrede. Im Gegenzug wirft Dale Nick vor, dass er die Falle nicht Andy Leonard sondern ihm gelte. Aber Nick gibt Dale den Hinweis, sich aus dem Staub zu machen und dabei nicht zu Andys Wagen zurückzukehren. Inzwischen ist ein Polizeiaufgebot mit einem Hubschrauber im Einsatz, der Parkplatz ist von Einsatzkräften belagert. Dennoch gelingt es McKussik, über einen Drahtzaun zu klettern und unterhalb von Autobahnbrücken seinen Verfolgern zu entwischen….

 

“Mr. McKussic, it seems, has been engaged in his business for purely romantic reasons, whilst you have been engaged in romance for purely business reasons.” Spätestens seit Roman Polanskis Neo Noir Chinatown (USA 1974) galt Robert Towne als Musterbeispiel eines Drehbuchautors. Stets intelligent und dramaturgisch vollends ausbalanciert auf einem Niveau, das von Anbeginn bis zur Schlusssequenz stabil bleibt, so erschien Towne nach Chinatown als Garant für hochwertiges Hollywoodkino. Exakt 14 Jahre nach seinem Triumph markierte Tequila Sunrise sowohl seine Rückkehr zum Neo Noir als auch seine zweite Arbeit als Regisseur. Doch die Zeiten hatten sich geändert. Man sieht es und man merkt es dem Film schnell an. Dennoch liefert Robert Towne in dessen erster Hälfte manchen Beweis seines Könnens. Pointierte Dialoge mit Einzeilern, wie schon der klassische Film Noir sie servierte, und eine trotz der komplexen Beziehungen der Hauptpersonen flotte Dramaturgie halten den Zuschauer bei der Stange. Zudem hatte sich Towne mit Conrad L. Hall einen der großen Kameramänner (Fat City, USA 1972) seiner Generation ins Team geholt, der den Film deutlich veredelt. Die Besetzung hat mich selbst lange abgeschreckt, diesen Neo Noir überhaupt sehen zu wollen. Mel Gibson, Michelle Pfeiffer und Kurt Russell waren seinerzeit Protagonisten eines Hollywood-Mainstreams, der von der Filmkritik immer und immer wieder bejubelt wurde und dann schnell in Vergessenheit geriet. Alle drei haben ein begrenztes darstellerisches Repertoire zur Verfügung, dessen ungeachtet sie über Jahre hinweg in Hauptrollen agierten und in Townes Film sogar im Trio. Das Resultat ist zwar nicht so übel, wie ich es erwartet hätte, dennoch stellte ich mir die Frage: Wie wäre der Film, wenn Jeff Bridges den Dealer McKussick und Nick Nolte den Cop Frescia gespielt hätten, wie es einst vorgesehen war? Nun, sicher nicht schlechter.

 

“In whatever way “Tequila Sunrise” came into being, the result is a long, teasing trailer for a film not yet made”, schrieb Vincent Canby für die New York Times und trifft den Kern eines simplen Problems. Im letzten Drittel geraten Robert Towne seine Handlungsstränge außer Kontrolle. Der Film erscheint wirr und in mehrfacher Hinsicht unglaubwürdig. Sein Finale und die Schlusssequenz sind eine Parodie auf die eingangs gesetzten Prämissen und geben den Film der Lächerlichkeit preis. Natürlich muss man wissen, dass Towne für seinen Neo Noir ursprünglich ein anderes, konsequent dunkles Ende vorgesehen hatte. Auf Druck von Warner Bros. wurde das für ein Mainstream-Publikum akzeptable “Happy End“ gedreht und angeklebt. Wie gesagt: Seit Chinatown hatten sich die Zeiten geändert. All das hilft jedoch weder dem Zuschauer noch dem Film, wie er schließlich ins Kino kam. Tequila Sunrise versinkt zu guter Letzt in den Klischees des für seine Zeit typischen und heute altbackenen Thriller-Standards. Trotz einer ohnehin schwachen Besetzung in den Hauptrollen wird das Potential der ersten Hälfte vollends verspielt. Vor allem ist Jo Ann Vallenaris (Michelle Pfeiffer) bedingungslose Liebe zu Dale McKussic, die im letzten Drittel relevant wird, schier grotesk. Die selbstständige, reflektierte Eigentümerin eines Edelrestaurants wandelt sich zum Teenager und das ach so ausgefuchste Skript bedient sich reihenweise schmerzhaft dämlicher Rollenklischees. Zu allem Überfluss ist die musikalische Begleitung jenseits der Klassiker von Bobby Darin und The Everly Brothers schier unerträglich. Mit öden Pop-Songs von Duran Duran, Andy Taylor, Robin Zander & Ann Wilson und dem 08/15-Jazz Dave Grusins hat sich Towne keinen Gefallen getan. Alles in allem kein Film, den man sehen muss, ganz sicher nicht.

 

Bildtechnisch sehr schwache BD-Ausgabe (2014) und eine immerhin solide DVD-Edition (1998) via Warner Home Entertainment mit dem Film ungekürzt im Originalformat mit der original englischen sowie jeweils einer spanischen und deutschen Tonspur sowie immerhin 109 verschiedenen Untertiteln bei der 98er DVD, die dann auf bloß noch drei, nämlich Französisch Portugiesisch und Spanisch, bei der BD gekürzt wurden. Das begreife wer will, zumal damit auch Leute  mit Hörschwierigkeiten vollständig ignoriert werden. Als Extras gibt es einen Audiokommentar von Produzent Thom Mount, den Kinotrailer sowie auf der DVD mehrere Features mit Bildtafeln, darunter Kurzbiografien von Cast & Crew.

 


Neo Noir | 1988 | USA | Robert Towne | Robert Towne | Conrad L. Hall | J. T. Walsh | Kurt Russell | Mel Gibson

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