City Hall

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Bewertung
***
Originaltitel
City Hall
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1996
Darsteller

Al Pacino, John Cusack, Bridget Fonda, Danny Aiello, Martin Landau

Regie
Harold Becker
Farbe
Farbe
Laufzeit
107 min
Bildformat
Widescreen

 


 

City Hall-Poster-web1.jpg City Hall-Poster-web2.jpg  City Hall-Poster-web3.jpg

© Warner Bros.

Für den aus Louisiana stammenden Nachwuchspolitiker Kevin Calhoun (John Cusack), tätig in New York City, ist die US-Metropole am Hudson River Inbegriff seines Lebens. Er war Stellvertreter des Bürgermeisters John Pappas (Al Pacino) und genoss als dessen rechte Hand sein politisches Dasein in vollen Zügen. Eine Episode auf einer regendurchtränkten Straße im Norden Brooklyns aber bedeutete für den jungen Mann eine einschneidende Zäsur… Alles begann mit der Entscheidung des ehrgeizigen Police Detectives Eddie Santos (Nestor Serrano), sich eines verregneten Morgens mit dem Drogendealer Tino Zapatti (Larry Romano), Neffe des stadtbekannten Maffiabosses Paul Zapatti (Anthony Franciosa), an einer U-Bahnstation zu treffen. Auf dem Weg dorthin stieg Vinnie Zapatti (Angel David) zu Santos in den Wagen, denn jener arbeitete als Informant für den Polizisten, der ihn ansonsten im Nu hätte hinter Gitter bringen können… In Brooklyn verlässt zu diesem Zeitpunkt der sechsjährige James Bone, jr. (Jaliyl Lynne) mit seinem Vater (Ray Aranha) das Haus, um in die Schule zu gehen. Vinnie hat das Treffen arrangiert und geht auf seinen Bruder zu, so dass jener Eddie Santos nicht sehen kann, der sich nun seinerseits heranpirscht. In dem Augenblick, als Eddie Tino Zapatti anspricht, zieht dieser eine Pistole und schießt ohne Vorwarnung, woraufhin Santos das Feuer erwidert. Die beiden Männer gehen, von mehreren Kugeln getroffen, zu Boden, doch eine trifft den kleinen James Bone, jr. in den Rücken…

 

Mit seinem Neo Noir Mord im Zwiebelfeld (USA 1979) hatte der Regisseur Harold Becker ein fulminantes Zweitwerk präsentiert. Schon damals war der semi-dokumentarische Stil dieser Erzählung nach einer wahren Begebenheit auffällig - Beckers Interesse an einer ausgiebigen Reflektion über die moral-ethischen Grundlagen der Rechtssprechung und deren Konsequenzen. 17 Jahre später konnte Harold Becker auf eine beeindruckende Filmkarriere zurückblicken, darin er mit Melodie des Todes (USA 1989) und Malice - eine Intrige (CAN/USA 1993) noch zweifach einen Neo Noir vorgelegt hatte. Mit City Hall drehte der gebürtige New Yorker erneut einen Film in jener Metropole, die auch den Regisseuren Sidney Lumet und Martin Scorsese als bevorzugter Nährboden für ihre harschen und oft harten Filmdramen diente. Schon die ersten Sätze des Erzählers aus dem Off erinnern an diejenigen in Anatole Litvaks New-York-Drama Im Taumel der Weltstadt (USA 1940), das seinerseits die Süße und die Bitterkeit eines Lebens im nimmermüden Organismus der Weltstadt zelebriert. Auch für Beckers City Hall bildet das die Klammer, darin eingefasst er einen Blick in die Mechanismen der vielfältigen Herrschaftsformen wirft, die jene Stadt mit gestalten. Die Bluttat eines Gangsters, der seit Jahren auf Bewährung ein Leben außerhalb des Gefängnisses genießt, was nach Einsicht in die Gerichtsakte merkwürdig scheint, gibt Kevin Calhoun einen roten Faden in die Hand, der ihn ins Dickicht politischer Korruption und gnadenloser Lobbyinteressen führt. Einer der vier Autoren war Neo-Noir-Pionier Paul Schrader (Taxi Driver, USA 1976), doch während die vier Köche in ihrem Brei rührten, muss de facto was schief gelaufen sein, denn sie haben ihn gehörig verdorben. City Hall ist vorhersehbar und dramaturgisch lahm. Es führt seine Charaktere ein bisschen in Versuchung, aber nie ernsthaft in Bedrängnis.

 

Zur Zeit der Premiere lobte Roger Ebert die mit Blick auf Politik hinter den Kulissen gehandhabte Meisterschaft einzelner Sequenzen mit Al Pacino und Danny Aiello. Tatsächlich sind solche ein Genuss. Doch schaffen es weder die Autoren noch der Regisseur die Verbindung zwischen Polit-Drama und Thriller nur annähernd so zu handhaben, wie ein Sidney Lumet das zu seinem Markenzeichen werden ließ. So urteilte Janet Maslin 1996 für die New York Times: “It's also confusing, with more plot leaps and convenient coincidences than any thriller could handle.” Ständig vollzieht sich die Handlung außerhalb des Zugriffs der Rollencharaktere und der Einsicht durch den Zuschauer. Calhoun und Rechtsanwältin Marybeth Cogan (Bridget Fonda) treffen nachts einen Informanten, am nächsten Morgen ist er ein toter Mann, doch für den Handlungsverlauf ist das kaum von Bedeutung. Calhoun und Cogan spielen weiterhin Privatdetektive, werden aber seltsamerweise nie selbst bedroht, doch den Zuschauer kümmert es schon längst nicht mehr. Als Becker versucht, die aufgrund eines Schneesturms kurzzeitig in einem Imbisslokal Gestrandeten auch als Menschen und nicht bloß Funktionsträger zu zeigen, ist es dafür zu spät. Bridget Fonda spielt eine völlig überflüssige Figur, Cusacks Kevin Calhoun ist einzig als Politiker wirksam und Al Pacino ist längst nicht so beeindruckend, wie einem viele Kritiker weismachen wollen. In Anbetracht der eingangs so dramatischen Ereignisse bleiben die Beteiligten davon auffällig unberührt, was sich auf den Zuschauer überträgt. Als die 107 Minuten Semi-Dokumentation mit dramatischen Einlagen zu Ende waren, habe ich kaum mit den Schultern gezuckt. Was in Anbetracht der beteiligten Talente vor und hinter der Kamera als City Hall ins Kino kam, ist sowohl als ein Drama als auch als Neo-Noir-Thriller eine fade Schonkost.

 

Sehr gute DVD-Edition (2000) der Warner Bros. Entertainment GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, Tonspuren auf Deutsch, Englisch oder Spanisch, insgesamt 20 (!) verschiedene Untertitel, den Kinotrailer als Extra.

 

Neo Noir | 1996 | USA | Harold Becker | Paul Schrader | Al Pacino | John Cusack | Bridget Fonda

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