Most Violent Year, A

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Bewertung
****
Originaltitel
Most Violent Year, A
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2014
Darsteller

Oscar Isaac, Jessica Chastain, David Oyelowo, Alessandro Nivola, Elyes Gabel

Regie
J. C. Chandor
Farbe
Farbe
Laufzeit
121 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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New York im Jahr 1981: Der Einwanderer Abel Morales (Oscar Isaac) ist stets jung und schon ein erfolgreicher Unternehmer, Inhaber der Standard Heating Oil Co. Auch in der klirrenden Kälte des Winters hält er sich zur Zeit des Sonnenaufgangs mit Dauerläufen fit. Er und seine hübsche Frau Anna (Jessica Chastain), ihres Zeichens Tochter eines Gangsters, haben heute einen wichtigen Geschäftstermin vor sich… Juan (Elyes Gabel) belädt am Morgen einen der Tanklastzüge der Standard Heating Oil Co im New Yorker Hafen, bevor der junge Fahrer sich auf den Weg macht und an der Verrazano-Narrows Bridge die Maut-Stelle passiert. Aber vor ihm versperrt ein Pkw die Fahrbahn, daraus steigen zwei mit Pistolen bewaffnete Männer (Louis Servidio, Matthew Maher) und schlagen die Seitenscheibe seines Trucks ein. Sie prügeln Juan mit roher Gewalt aus dem Führerhaus auf die Straße, wo er verletzt liegenbleibt und sich vor Schmerzen krümmt. Die Männer springen in den Lastzug und fahren davon... Abel Morales und seine Frau fahren zu einem weiträumigen Fabrikgelände im Hafen von Brooklyn. Hier trifft Abel Andrew Walsh (Albert Brooks), den Rechtsbeistand seiner Firma, der ihn lange vor dem heutigen Vertragsabschluss warnte, inzwischen aber dafür ist. Morales kauft von dem jüdisch-orthodoxen Textilmogul Joseph Mendelsohn (Jerry Adler) das Treibstofflager vor Ort, das jener von seinem Onkel erbte. Abel Morales zahlt heute 40 % der Summe in bar und ist verpflichtet, binnen 30 Tagen den Rest zu begleichen…

 

“You're not gonna like what will happen once I get involved.” Autor und Regisseur J. C. Chandor schuf mit A Most Violent Year eine sorgfältig durchdachte und mit Fingerspitzengefühl inszenierte Melange aus klassischem Filmdrama und der in den Siebzigern gewachsenen Thrillertradition. Mit Anklängen an French Connection / Brennpunkt Brooklyn (USA 1971) und andere der Stadt New York gewidmete Filme wie etwa Sidney Lumets Serpico (USA/ITA 1973) oder Michael Manns Der Einzelgänger (USA 1981) macht der Vorspann, dem Marvin Gaye mit seinem Inner City Blues (von 1971) das musikalische Thema gibt, im Nu deutlich, dass Chandor auch dem Kino, das er schätzt, seine Zuneigung ausdrückt. Das historische Setting legt den Verzicht auf viele zeitgenössische Stilmittel nahe, die als optisches Blendwerk den Zugriff auf Rollencharaktere und ihre Geschichte(n) häufig erschweren oder ganz verstellen. J. C. Chandor scheint es geradezu leicht zu fallen, seine Figuren im Dienst ihrer Funktionen in Beruf und Gesellschaft zu runden, ohne dass sie übermäßig an Klischees leiden oder etwa von vornherein wie jene Drehbuchbausteine wirken, die manche Produktionsfirmen von Film zu Film neu zusammenwürfeln. Abel Morales ist mit Leib und Seele seinem eigenen “American Dream“ verpflichtet, darin selbstredend Erfolg, Geld und Macht die Schlüsselrollen innehaben. Mit diesen Interessen findet er in seiner klugen Buchhalterin und Tochter eines Gangsters als Ehefrau nicht nur die Liebe seines Lebens sondern auch eine tragende Säule seiner Firma. Der entscheidende Unterschied: Abel ist tief in ethisch-moralischen Prinzipen verwurzelt, Anna ist im Kampf ums Überleben jedes Mittel recht. Und solch ein Kampf ums Überleben ist exakt, was unbekannte Mächte den beiden aufzwingen und die schrecken auch vor dem Privatleben der Morales’ und vor deren Haustür nicht zurück.

 

“At once heavenly and infernal, A Most Violent Year is the revisionist neo-noir many have been waiting for”, schreibt Howard Feinstein in seinem klugen Artikel zum Film, der zur Premiere im Filmmaker Magazine erschien. In dem Bestreben, sein Geschäftsgebaren der vor Ort üblichen Illegalität zu entkleiden und damit samt seiner Familie zu einem integren Teil des US-amerikanischen Oberschicht zu werden, führt die Unterscheidung in Gut und Böse Abel Morales in eine Grauzone, die ihn über Leichen gehen lässt, ohne dass er seinen moralischen Kompass dadurch beschädigt sähe. Aus der Not zu entscheiden, entwickelt Morales eine diffuse Arbeitsethik, die mit der offiziellen Rechtssprechung in Einklang stehen muss, - “You should know that I have always taken the path that is most right.“ - da sie es ihm ermöglicht, Entscheidungen durch menschliche Schwächen, die er andererseits genau nachvollziehen kann, als Fehlverhalten einzustufen. Als das in eine Katastrophe mündet, hat er sich selbst nichts vorzuhalten und wird insbesondere durch seinen Rechtsbeistand Andrew Walsh darin bestärkt. Jedes Ziel, das der Standard Heating Oil Co. dient, hat Vorrang vor individuellen Bedürfnissen Dritter, auch wenn das für diese Dritten eine Entscheidung auf Leben und Tod bedeutet. J. C. Chandors Neo Noir ist in der Bildsprache nicht über die Maßen gewalttätig. Doch dass dem Zuschauer in dieser Reflektion über das Wesen des Kapitalismus’ zu guter Letzt ein Schauer über den Rücken läuft, dafür ist gesorgt. A Most Violent Year ist ein eigenwilliger Film, der gerade mit seiner traditionellen Art dem Segment “Neo Noir“ nochmals neue Seiten abringt. Empfehlenswert!

 

Geradezu vorbildliche BD- und DVD-Editionen (2015) der Universum Film GmbH, München, mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch perfekt, dazu die original englische und auch eine deutsche Tonspur, optional deutsche oder englische Untertitel, geschnittene Szenen, Interviews mit Oscar Isaac und Jessica Chastain, Audiokommentare von J.C., Chandor, Neil Dodson und Anna Gerb sowie diverse Featurettes als Extras, was nochmals insgesamt 75 Minuten Spielzeit ausmacht.

 

Neo Noir | 2014 | USA | J. C. Chandor | Albert Brooks | Alessandro Nivola | Oscar Isaac

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