Im Bann des Jade Skorpions

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Bewertung
****
Originaltitel
The Curse Of The Jade Scorpion
Kategorie
Neo Noir
Land
USA/GER
Erscheinungsjahr
2001
Darsteller

Woody Allen, Helen Hunt, Dan Aykroyd, Charlize Theron, David Ogden Stiers

Regie
Woody Allen
Farbe
Farbe
Laufzeit
97 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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New York im Jahr 1940: Der Versicherungsdetektiv C.W. Briggs (Woody Allen) arbeitet seit 20 Jahren für die Gesellschaft North Coast und ist im Haus der beste seines Fachs. Der Einzelgänger ist für seine unorthodoxen Methoden bekannt und behauptet, sich in alle Verbrecher hineinversetzen zu können, weshalb er ihnen zuletzt auf die Schliche käme. Nur Betty Ann Fitzgerald (Helen Hunt), die seit einem halben Jahr als Expertin für Arbeitseffizienz die Büroräume der etablierten Traditionsfirma auf den Kopf stellt, ist von Briggs unbeeindruckt. Genau genommen sind sich die beiden spinnefeind, da Briggs sich ihren Methoden zwecks einer zeitgemäßen Büroordnung konsequent verweigert. Ein Gespräch, das sie vor zwei Wochen in Rocky’s Bar führten, endete im erneuten Bekenntnis zu ihrer tief wurzelnden Abneigung. Heute feiert nun George Bond (Wallace Shawn) seinen fünfzigsten Geburtstag. Im Nachtclub Rainbow Room ist ein Tisch reserviert und Juniorchef Chris Magruder (Dan Aykroyd) bittet Miss Fitzgerald, sie alle zu begleiten. Nur zögernd willigt sie ein. Magruder und sie haben insgeheim ein Verhältnis miteinander, und er hat ihr die Scheidung seiner Ehe versprochen. Als die Gesellschaft im Rainbow Room sitzt, tritt dort der Magier Voltan (David Ogden Stiers) auf und bittet für eine Vorführung seiner Kunst der Hypnose ausgerechnet C.W. Briggs und Betty Ann Fitzgerald gemeinsam auf die Bühne…

 

“Never trust a woman who whistles for her own cab.“ Der im Retro-Look inszenierte Film Woody Allens ist ein irrsinniger Mix aus Film Noir und Screwball Comedy. Fast 20 Jahre nach Tote trage keine Karos (USA 1982) erweist Woody Allen mit dieser Hommage ans Hollywoodkino der 40er Jahre auch dem Film Noir seine Ehre. Als über alle Maßen selbstbewusster Versicherungsdetektiv C.W. Briggs tritt er in die Fußstapfen Walter Neffs in Frau ohne Gewissen (USA 1944), dazu mit einem Magier Voltan, wie ihn Edward G. Robinson in Die Nacht hat tausend Augen (USA 1948) verkörpert und Charlize Theron als jene Art Femme fatale, wie sie Cleo Moore in One Girl’s Confession (USA 1953) oder Martha Vickers in Tote schlafen fest (USA 1946) darstellen. Der Film brilliert mit seiner historischen Expertise, ohne in plumpes Kopieren oder ermüdende Zitate abzugleiten. Woody Allen schafft es, sich sowohl des Filmstils als auch bewährter Erzähltechniken zu bedienen, indessen er sich als Autor treu bleibt. Solcher Autor ist zentral, denn wie im Film der 40er Jahre sind es die aberwitzig pointierten, biestig gemeinen Dialoge, die Woody Allens Geschichte auf Trab bringen. Was sich C.W. Briggs und Betty Ann Fitzgerald an Bosheiten um die Ohren hauen, hätte einen Billy Wilder oder John Huston schmunzeln lassen, in deren Film Noirs es von knackigen Einzeilern nur so wimmelt. Woody Allen, der seit 1969 fast jedes Jahr einen Film veröffentlicht und in manchen Jahren zwei, hatte als Jazz-Fan und Nostalgiker ersten Ranges mit Bullets Over Broadway (USA 1994) und Sweet and Lowdown (USA 1999) bereits zuvor zwei in Hollywoods Golden Age verortete Filme gedreht. Eine besondere Beobachtung hinsichtlich Im Bann des Jade Skrorpions stammt von Roger Ebert und betrifft dessen Frauenfiguren: They look not so much like the women in classic film noir as like the women on film noir posters - their costumes and styles elevate them into archetypes.

 

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© Koch Media GmbH
 

A lot of women have passed through this apartment. I can't say they were all winners, but...” Zur Zeit seiner Kinopremiere bekam dieser aufgrund der Ausstattung teuerste Film Woody Allens durchwachsene Kritiken. Sein Regisseur war mit sich selbst in der Hauptrolle ebenfalls unglücklich, er hätte lieber einen weiteren Gaststar engagiert. Mit inzwischen 15 Jahren Abstand erweist sich Im Bann des Jade-Skorpions demgegenüber als vorzüglich gealtert - ein Werk voller Biss und Witz und ebenso hintergründig wie abgründig, was die liebevolle Gestaltung seiner Charaktere und ihre komplexen Beziehungen betrifft, welche ihnen die Lösung des vergleichsweise simplen Rätsels der Juwelendiebstähle auf amüsante Weise erschweren. Nach weiteren Misserfolgen drehte Woody Allen 2005 in England den brillanten Neo Noir Match Point (UK/RUS/IRL/LUX/USA 2005) und bevorzugte für 4 Jahre Europa als Schauplatz seiner Filme. Im Bann des Jade Skorpions blieb ein einmaliger Glückfall - eine Film-Noir-Parodie, die bis heute nicht peinlich oder banal erscheint. Die meisten Versuche auf dem Terrain erreichten nicht annähernd diesen Level und griffen in jeglicher Hinsicht zu kurz.

 

Bild- und tontechnisch erstklassige DVD-Ausgabe (2007) der Koch Media GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, die original englische Tonspur (in dem Fall ein Muss) und eine deutsche Synchronisation (überflüssig), optional deutsche Untertitel und den Kinotrailer als Extras. Unbedingt zu empfehlen!

 


Neo Noir | 2001 | USA | Woody Allen | John Schuck | John Tormey | Peter Gerety | Charlize Theron

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