distancia, La

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Bewertung
***
Originaltitel
distancia, La
Kategorie
Neo Noir
Land
ESP
Erscheinungsjahr
2006
Darsteller

Miguel Ángel Silvestre, José Coronado, Frederico Luppi, Belén López, Luís Homar

Regie
Iñaki Dorronsoro
Farbe
Farbe
Laufzeit
104 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© 3L Vertriebs GmbH & Co. KG

Der ehemalige Profiboxer im Superweltergewicht, Daniel Torres (Miguel Ángel Silvestre), liegt am Strand im seichten Wasser und erinnert sich daran, mit welcher Technik er einst im Boxwettkampf zu bestehen wusste… Damals stand er für seinen langjährigen Trainer (Frederico Luppi) gegen den Titelverteidiger José Manuel Yebes (José Yebes Mota) im Ring und verlor den für ihn so wichtigen Kampf… Mit einem Kumpel beging er daraufhin einen Raubüberfall auf einen Tabakladen und musste für zwei Jahre ins Staatsgefängnis Puerta de Hierro, Madrid. Kurz vor seiner Entlassung erhält er überraschend Besuch von einem ihm unbekannten Mann namens Guillermo (José Coronado), der ihm Fotos von der Tatwaffe zeigt, mit der seinerzeit der Besitzer des Tabakladens ermordet wurde. Die Pistole sei unterm Boden des Ladens versteckt worden und es seien Daniels Fingerabdrücke darauf, so der Fremde. Er droht damit zur Polzei zu gehen und das Beweisstück abzugeben, das Daniel Torres eine Anklage wegen Mordes und für mindestens weitere 8 Jahre hinter Gitter brächte. Daniel ist verzweifelt. Nicht er sondern sein Kumpel habe damals geschossen, klagt er. Doch der wurde seinerzeit von der Polizei erschossen und Daniel lediglich aus Mangel an Beweisen zu nur zwei Jahren Haft verurteilt. Der Fremde unterbreitet ihm einen Vorschlag zur Güte. Er werde die Sache vergessen, verspricht er, wenn Daniel Torres sich bereit erkläre, innerhalb der nächsten 3 Tage den Häftling Manuel Salgado (Carlos Kaniowsky) umzubringen…

 

Gute Schauspieler in einem soliden Drama, das sein Regisseur Iñaki Dorronsoro mit klarem Sinn für Tempi und optische Finessen inzenierte und doch wollte der Funken bei mir partout nicht überspringen. La distancia ist ein spanischer Neo Noir, der 2006 in Deutschland gar nicht erst ins Kino kam und 2009 unter dem Titel Auf Distanz ausschließlich auf DVD erschien. Er hat vieles, was ein guter Neo Noir benötigt, doch fehlt das gewisse Etwas, welches die Rezeptur zu einer packenden und ergreifenden Geschichte heranreifen ließe. So manches ließ mich an Jean-Pierre Melville, anderes an Olivier Marchal denken. Eine Clique Polizeibeamter erscheint als so korrupt und kriminell wie in James Mangolds Cop Land (USA 1997) und der Antiheld gerät in eine Lage, die an diejenige von Lew Ayers in John Sturges’ The Capture (USA 1950) denken lässt. Auch ist das Thema des Boxens als Leistungssport in einer vermeintlich hoch entwickelten und hinter Luxuskulissen extrem archaischen Industriegesellschaft ein solches klassischen Film Noirs, lässt sich der aussichtslose Überlebenskampf damit doch exemplarisch vorführen - Jagd nach Millionen (USA 1947), Ring frei für Stoker Thompson (USA 1948), Zwischen Frauen und Seilen (USA 1949) und Die Faust im Gesicht (USA 1962) sind exzellente Beispiele des Kanons. An all das versucht La distancia sichtbar anzuschließen und scheitert mit diesem Vorhaben auch nicht vollständig. Die Schauplätze sind beeindruckend, nahezu alle Rollencharaktere desillusioniert, amoralisch und verzweifelt, ihre Methoden - ob diesseits oder jenseits der Staatsgesetze - nahezu austauschbar, denn die Welt der Großstadt wird ihre Opfer entweder nicht als solche (er)kennen oder sie im Nu wieder vergessen haben. So lässt sich schlussfolgern, dass La Distancia ein durchaus zupackendes Drama ist und das heißt schon etwas.

 

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© 3L Vertriebs GmbH & Co. KG

Indessen ich mir einzureden suchte, dem Film endlich mehr abzugewinnen, ließen mich die Rollencharaktere trotz glaubwürdigen Spiels ihrer Schauspieler weiterhin kalt. Damit kommen wir der zentralen Schwäche des Werks auf die Spur. Das Drehbuch skizziert war solche Charaktere, doch ihre Persönlichkeiten bleiben zu farblos, zu blass konturiert, um im Handlungsverlauf den an sie gestellten Anforderungen der Erzählung gerecht zu werden. Eine solche bestünde etwa in der Wandlung des für eine lange Zeit enorm impulsiv und skrupellos agierenden Polzisten Guillermo gegenüber seinem “Opfer“ Daniel Torres. Eine zweite Wandlung erfährt Daniel selbst in seiner Liebe zu der heiß begehrten Raquel (Belén López). Um derlei Entwicklungen im letzten Drittel mit einiger Glaubwürdigkeit platzieren zu können, müssten sich die Charaktere mehr entwickeln. Zudem krankt das Duell im Hintergrund, eines zwischen dem ehrlichen Ermittler (Luis Homar) und seinem faschistoiden, kriminellen Kollegen Luis (Julio Vélez) an der Abwesenheit der beiden Figuren - sie sind zu sehr Platzhalter als echte Charaktere. All das ließ mich beim Abspann mit einem Schulterzucken zurück. La distancia ist sicher kein schlechter Film, aber er zeichnet sich eben auch durch nichts besonders aus.

 

Sehr gute DVD-Edition (2009) der 3L Licensing GmbH & Co. KG mit dem Film ungekürzt im Originalformat, samt dem original spanischen Ton und einer deutschen Tonspur, optional deutsche Untertitel, dazu ein Making of, den Kinotrailer, und eine Bildergalerie als Extras.

 

Neo Noir | 2006 | International | Iñaki Dorronsoro | José Coronado

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