Sin Of Nora Moran, The

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Bewertung
****
Originaltitel
The Sin Of Nora Moran
Kategorie
Pre Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1933
Darsteller

Zita Johann, Alan Dinehart, Paul Cavanagh, Claire DuBrey, John Miljan

Regie
Phil Goldstone
Farbe
s/w
Laufzeit
64 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Es ist spät am Abend, als Staatsanwalt John Grant (Alan Dinehart) am Schreibtisch über einigen Papieren sitzt und seinem Butler mitteilt, dass er sich zurückziehen könne. Aber zur Überraschung der Männer klingelt es an der Haustür und der Butler geht, um zu öffnen. Es ist Grants Schwester, die mit dem Gouverneur Dick Crawford (Paul Cavanagh) verheiratete Edith Crawford (Claire DuBrey), und sie ist außer sich. Im Safe ihres Ehemanns fand sie ein Bündel unsignierter Liebesbriefe von einer Frau, mit der Dick offenbar über längere Zeit eine Affäre hatte, die in einem von beiden eigens genutzten Haus stattfand, deren ständige Bewohnerin in ihre poetischen Liebesbekundungen sogar die Jahreszeiten einfließen ließ. Als John Edith zu verstehen gibt, dass Dick das Haus für seine Geliebte nicht käuflich erworben habe, sieht sie sich in dem Verdacht bestätigt, dass ihr Bruder über die Sache im Bilde ist. Sie droht John, Nachforschungen anzustellen und einen Skandal zu riskieren, um die Identität der Unbekannten zu eruieren und sich zu rächen. Da lenkt John ein und geht zu seinem eigenen, im Bücherregal befindlichen Safe. Ihm entnimmt er einen Zeitungsausschnitt, den er Ida über den Schreitisch hinweg reicht. Darin geht es um die Hinrichtung der zum Tod verurteilten New Yorker Tänzerin und zuvor bei einem Zirkus beschäftigten Nora Moran (Zita Johann). Genau sie, so John Grant, sei die Geliebte des Gouverneurs gewesen, doch das nimmt Ida ihrem Bruder nicht ab. Also hebt er an, ihr Nora Morans Lebensgeschichte zu erzählen…

 

“You weren’t thinking anymore of Dick than I was. Anything you did, you did for your own social ambition.” Hinter dem mehrdeutig provokanten Titel The Sin Of Nora Moran und einem Erotik suggerierendem Filmplakat verbirgt sich ein ebenso ambitionierter wie ungewöhnlicher Film nach dem im Vorspann genannten, womöglich niemals aufgeführten Theaterstück Burnt Offering von Willis Maxwell Goodhue. Das Ungewöhnliche zeigt sich in der Filmsprache und in der Narration, die sich der simplen Ausgangssituation jenes nächtlichen Treffens von Bruder und Schwester annimmt und es durch Stilmittel einer verblüffend komplexen Filmsprache zu bebildern versteht. Dafür bedient sich Regisseur Phil Goldstone in exzessiver Weise der Rückblendentechnik, mittels derer er hochfrequente Wechsel von Schauplätzen etabliert und für eine im Ganzen enorm dynamische Narration sorgt. Zugleich verschachtelt und verklausuliert er dadurch Zusammenhänge, die keinesfalls so simpel sind, wie sie anfangs erscheinen. Bis zuletzt wird solcher Modus nicht dergestalt überstrapaziert, dass der Zuschauer der Sache nicht mehr folgen könnte. Dennoch tritt in ihm sowohl die große Stärke des Films als auch die eine oder andere Schwäche zutage. Dank des Kniffs, durch den allwissenden Bruder John der ahnungslosen Edith die Sache vollauf zu erklären, verfügt der Film über einen Erzähler, der sich je nach der Entwicklung des Gesprächs dazu veranlasst sieht, die fehlenden Puzzleteile zu ergänzen. Mit einem Erzähler im Bild oder aus aus dem Off und Rückblenden in Serie nimmt The Sin Of Nora Moran als ein dunkles und hartes Drama um verschwiegene und falsche Identitäten, um Geheimnisse in der Vergangenheit aller Beteiligten und um eine hoffnungslose Liebe Stilelemente eines damals noch zukünftigen Film Noirs der 40er Jahre vorweg. Denn es sollte klange dauern, bis mit Vergewaltigt / Frau in Notwehr (USA 1949), The Sun Sets At Dawn (USA 1950) und Lasst mich leben (USA 1958) die Themenkreise dieses Films von 1933 mit ähnlicher Prägnanz wieder aufgegriffen wurden.

 

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 “The Sin of Nora Moran is a movie you deserve to discover if you have yet to do so,” schlussfolgert Cliff Aliperti in seinem ausführlichen Essay zum Film für Immortal Ephemera und er hat völlig Recht damit. Trotz (oder womöglich wegen) seiner innovativen Stillmittel und der teis bizarren Dialoge floppte das Werk zum Zeitpunkt seiner Erstaufführung völlig und erhielt obendrein negative Kritiken seitens Filmjournalisten, die das Erleben des Filmes als deprimierend und seine ausgeklügelte Struktur als verwirrend einstuften. Heutzutage dürfte ein augeschlossener Zuschauer sich in keiner Weise davon betroffen finden, demgegenüber die Bedeutung des Werkls im Kontext der gerade nach Einführung der Production Code Administration (PCA) im Jahr 1934 durch den frisch eingesetzten Scharfrichter der Filmzensur Joseph Breen - ein fanatischer Konservativer und Antisemit - umso schärfer hervortritt. The Sin Of Nora Moran steht in vieler Hinsicht wider das zunehmend auf linientreue Staatsräson und leichte Unterhaltung getrimmte Kino der zweiten Hälfte der 30er Jahre und wirkte zudem als Einfluss auf den jungen Orson Welles während dessen eigener Ausarbeitung seines Debüts Citizen Kane (USA 1941). Über Jahrzehnte hinweg nahezu vergessen, kursiert der Film heute wieder in Fassungen von überraschend guter Qualität.

 

Eine weltqweit abspielbare US-DVD (2013) der Alpha Home Entertainment zeigt den Film ungekürzt im Originalformat in einer ton- und bildtechnisch verblüffend hochwertigen Kopie, mit dem englischen Originalton ohne Untertitel und auch sonst ohne Extras. Überaus empfehlenswert.

 


Pre Noir | 1933 | USA | Phil Goldstone | Paul Cavanagh

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