Teufels Lohn, Des

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Bewertung
****
Originaltitel
Man In The Shadow
Kategorie
Western Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1957
Darsteller

Jeff Chandler, Orson Welles, Colleen Miller, Ben Alexander, Barbara Lawrence

Regie
Jack Arnold
Farbe
s/w
Laufzeit
77 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Es ist spät am Abend auf der Golden Empire Ranch von Virgil Renchler (Orson Welles), dem mit Abstand reichsten und mächtigsten Mann des verschlafenen Städtchens Spurline. Renchlers Vorarbeiter Ed Yates (John Larch) und dessen rechte Hand Chet Hunecker (Leo Gordon) begeben sich in eine der Baracken, die den zahllosen mexikanischen Wanderarbeitern als Quartier dienen. Sie zerren den jungen Juan Martin (Joe Schneider) geradewegs durch die Menge ins Freie und in einen angrenzenden Schuppen. Hier beginnen die beiden ihn systenmatisch zu verprügeln, doch Juan Martin wehrt sich. Hunecker ist darüber außer sich, ergreift einen Baseballschläger und zieht ihn dem Jungen mit harter Hand über den Schädel, so dass er auf der Stelle stirbt. Die beiden ahnen nicht, dass sie bei ihrem Tun von Juans väterlichem Freund Jesus Cisneros (Martin Garralaga) beobachtet wurden. Zudem wird die Tochter des Hauses, Skippy Renchler (Colleen Miller), durch den Todesschrei des Mexikaners aus ihrem Schlaf geweckt, worauf sie ans Fenster eilt. Aber draußen herrscht im Nu wieder Stille… Am nächsten Morgen fährt Ben Sadler, der Sheriff von Bingham County, ins Büro, indessen er auch seine Frau Helen (Barbara Lawrence) in den Ort mitnimmt. In dem von der frühen Hitze aufgeheizten “Sheriff’s Office“ erwartet ihn sein Deputy Ab Begley (Ben Alexander) und ein stumm und geduldig auf einer Bank hockender Jesus Cisnero, der den Fall des ermordeten Juan Martin zur Anzeige bringt…

 

“There isn't a yard of guts in this whole town. This isn't a town, it's a trained dog act!” Jack Arnolds Thriller Des Teufels Lohn wird gern als ein Western gehandelt, offenbar weil er in der Provinz spielt und die Fehde zwischen einem mächtigen Großgrundbesitzer und einem Kleinstadtsheriff thematisiert, ein für den Western klassischer Konflikt. Doch der Film spielt in der Gegenwart, wir sehen keine Pferde, Saloons, Cowboys oder Revolverhelden, und das Skript erinnert sowohl an 12 Uhr mittags (USA 1952) als auch an Heißes Eisen (USA 1953). In Des Teufels Lohn finden sich eingeschüchterte Stadträte, einen selbstherrlichen Patriarchen und dessen Tochter in einer US-amerikanischen Kleinstadt der 50er Jahre, welche sich in ihrer Nische nur ungern von einer Vergangeheit verabschiedet, darin sie dank des Reichtums des Renchler-Clans stets ein gutes Auskommen hatte. „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“, hat es Bertolt Brecht in seinem Bühnenstück Die Dreigroschenoper (EA 1928) formuliert. Genau das ist Generalthema dieses B-Films unter der Schirmherrschaft seines Produzenten Albert Zugsmith. Es findet sich in vielerlei Gestalt - in der Drohung Virgil Renchlers gegenüber dem gesetzestreuen Ben Sadler, im Rassismus des Deputys Ab Begley, in der Feigheit der Stadträte und in der Verzagtheit Helen Sadlers, die jene Episode „Juan Martin“ als Verkehrsunfall hinter sich lassen und die materielle Sicherheit ihrer Existenz unter Renchler nicht gefährden wollen. Was bedeuet ein toter Mexikaner in Anbetracht der Zukunft eines ganzen Landstrichs, der dank seiner prosperierenden Golden Empire Ranch zu erheblichem Wohlstand fand und sich daran natürlich gewöhnte?

 

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“Man In The Shadow (…) is a rarely seen contemporary Western with film noir shadings”, fasst es Jeff Stafford in seinem Film Article für Turner Classic Movies zusammen, um sodann der Frage nachzuspüren, wie es B-Filmer Jack Arnold gelingen konnte, einen derart hochklassigen Darsteller wie Orson Welles für das Projekt zu gewinnen. Die Antwort lautet: Welles brauchte dringend Geld, um seine Steuerschulden zu bedienen und hoffte außerdem, in den USA auch wieder Regie führen zu können, was ihm der Kontakt zu Albert Zugsmith dann ermöglichte. Ihm verdankte Welles den Vertrag für Im Zeichen des Bösen (USA 1958), die für alle Zeiten lezte US-Produktion des damals gerade 43jährigen. Regisseur Jack Arnold kam mit Orson Welles gut aus, der nicht nur motiviert spielt, sondern hinter den Kulissen auch für einige Änderungen des Drehbuchs verantwortlich gewesen sein soll. Des Teufel Lohn geht allemal nicht in die Falle der zeittypischen Schwarzweißmalerei und verdankt seine „film noir shadings“ vor allem der schonungslosen Härte seines Auftakts, einer Reihe von Nachtszenen und mehreren illustren Charakteren, die in ihren Standpunkten variieren und meist uneindeutig und schwer auszuloten sind. Zu guter Letzt erscheint selbst Virgil Renchler als Marionette an Fäden der eigenen Vergangenheit, ein so schwerer wie unbeweglicher Charakter, der sich in Anbetracht der Probleme, in die er sich selbst verstrickte, nicht anders zu helfen weiß, als der Gewalt ihren Lauf zu lassen. Des Teufels Lohn war nach Das Kreuzverhör (USA 1957) der zweite Ausflug Jack Arnolds aufs Terrain des Thrillerkinos und zeigt sich trotz seines eindeutig schmalen Budgets bis heute als couragiert, kurzweilig und auf den Punkt inszeniert.

 

Sehr gute deutsche DVD-Edition der Koch Media GmbH (2010) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, Tonspuren auf wahlweise Englisch oder Deutsch, den original Kinotrailer, eine Bildergalerie mit Werbematerial und ein 14minütiges Featurette über Jack Arnold als Extras.

 


Western Noir | 1957 | USA | Jack Arnold | Jeff Chandler | John Larch | Orson Welles | Royal Dano | William Schallert

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