zweite Atem, Der

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Bewertung
*****
Originaltitel
Le deuxième souffle
Kategorie
Post Noir
Land
FRA
Erscheinungsjahr
1966
Darsteller

Lino Ventura, Paul Meurrise, Raymond Pellegrin, Christine Fabréga, Marcel Bozzuffi

Regie
Jean-Pierre Melville
Farbe
s/w
Laufzeit
150 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Der alternde Gangster Gustave Mindan (Lino Ventura), genannt Gu, bricht nach zehn Jahren Haft mit seinem Mitgefangenen Bernard (Jean-Claude Bercq) und mit einem weiteren Häftling aus. Beim gewagten Sprung auf die hohe Außenmauer stürzt der Kumpan ab, Gu und Bernard fliehen allein und schaffen es, auf einen fahrenden Güterzug in Richtung Paris aufzuspringen. Doch Bernard springt schon bald wieder ab, rennt querfeldein durch die Wälder von dannen… In Marseille bereitet der Gangster Paul Ricci (Raymond Pellegrin) einen Coup vor, indem er sich von einem Informanten ein bestimmtes Datum, den 28. Dezember, mitteilen lässt. In seinem Büro verabschiedet sich Pauls Partner Jeannot Franchi (Albert Dagnant) in Richtung Paris, wo er ein Geschäft zu erledigen hat. Paul Ricci lässt ihn nur ungern ziehen, denn auch Jeannot ist an dem wichtigen Coup beteiligt, doch jener beschwichtigt ihn, schon morgen sei er ja wieder zurück... Gus ehemalige Freundin Simone Peltier (Christine Fabréga), allerorten als Manouche bekannt, betreibt in Paris ein edles Restaurant, das Gangstern als Fassade für dubiose Geschäfte dient. Zu ihren Getreuen zählen der Kellner Alban (Michael Constantin) und Jacques, der Anwalt (Raymond Loyer). Letzterer erhält heute Abend die Nachricht, dass Gu aus dem Gefängnis entkommen sei und teilt dies auch Manouche und Alban mit. Doch kaum beraten sie, wie sie dem Freund helfen könnten, öffnet sich die Tür und drei Männer eröffnen das Feuer und töten Jacques auf der Stelle…

 

Jean-Pierre Melvilles vierter Film Noir in 10 Jahren war zugleich sein letzter Film in Schwarzweiß, doch sein erster mit Lino Ventura und Paul Meurisse, zwei Giganten des französischen Kinos ihrer Zeit, die in Melvilles Armee im Schatten (FRA 1969) erneut gemeinsam vor der Kamera stehen sollten. Mit einer Spielzeit von 150 Minuten ist Der zweite Atem zudem ein Werk von epischer Proportion und über 40 Minuten länger als etwa Der Teufel mit der weißen Weste (FRA/ITA 1962), das vorhergehende Meisterstück eines Film Noirs von Melvillle. Seine Geschichte ist simpel: Der aus dem Gefängnis entflohene Gu muss eine Reihe von unerledigten Dingen seiner  Vergangenheit in Ordnung bringen, bevor er mit Manouche endlich das Weite zu suchen hofft. Ein letzter Coup soll ihnen die Mittel dafür bereitstellen und eingangs sieht auch alles sehr danach aus… Wer sich hier an Claude Sautets Der Panther wird gehetzt / Volles Risiko (FRA/ITA 1960) erinnert findet, - ebenfalls nach einer Vorlage und mit Beteiligung José Giovannis - darin Lino Ventura den flüchtigen Abel Davos mimte, seinerzeit von Italien auf dem Weg nach Paris und nicht umgegekehrt, der liegt nicht falsch. Ventura war seit zwölf Jahren auf derlei Figuren abonniert, seit Jacques Beckers Wenn es Nacht wird in Paris (FRA 1954), einem französischen Film-Noir-Klassiker der 50er Jahre und das Filmdebüt des 35jährigen, ehemaligen Ringkämpfers Lino Ventura. In 44 Filmen war er in diesen zwölf Jahren aufgetreten, bis er in Melvilles eigekühltem Noir den Inbegriff des desillusionierten und amoralischen, zugleich hoffnungsvoll an ein Leben als Freund und Liebhaber geklammerten Gangsters gibt. Das Duo Ventura-Meurisse macht den zu Teilen etwas langatmigen Film zu einem Meisterwerk und die Riege exzellenter Nebendarsteller sowie José Giovannis Gespür für Dialoge und Melvilles Dramaturgie tun ein Übriges.

 

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Die Tristesse der Schauplätze, seine Brutalität und die Beiläufigkeit noch der Tragik, mit der so mancher Figur Schicksal besiegelt wird, ließen Der zweite Atem einmal mehr zu einem Erfolg vor allem bei Kritikern werden. Melvilles rabenschwarze Sicht der Welt erscheint zugleich als uneinnahmbare Festung für jedwede ideologische Deutung. Nochmals präziser als in Der Teufel mit der weißen Weste lässt Melvilles den Reigen der Ereignisse unkommentiert und die Geschehnisse in trostloser Unaufhaltsamkeit an uns vorüberziehen.Wie Paul Meurisse zuletzt zum zynischen Nachlassverwalter dieser Historie wird, ist einfach grandios; er ist mit dieser Darstellung kaum zu überbieten. Werner Herzog sieht in dem etwas vergessenen Epos Melvilles einen seiner Lieblingsfilme. Alain Corneau widmete sich einer akribisch detaillgetreuen Neuverfilmung, - Le deuxième souffle (FRA 2007) mit Daniel Auteuil und Michel Blanc kam in Deutschland nicht ins Kino, auch nie als BD oder DVD - die in seiner Nähe zum Original (trotz stilistischer Verfremdung durch teils extreme Farbwerte) eine regelrechte Verbeugung vor dem Großmeister französchen Kinos der Sechziger darstellt. Der zweite Atem ist ein Klassiker des Film Noirs, der bis heute kaum als solcher gehandelt wird und auch hierzulande dringend neu aufgelegt gehörte.

 

In den USA gibt es eine DVD-Edition (2008) der Criterion Collection, die keine Wünsche offenlässt: bild- und tontechnisch topp restauriert im Originalformat und ungekürzt, der Originalton mit optional englischen Untertiteln, dazu historische Interviews mit Lino Ventura und Jean-Pierre Melville, ein neues Interview mit Bernard Tavernier, Audiokommentare von Ginette Vincendeau und Geoff Andrew sowie einen aktuellen Filmessay von Filmkritiker Adrian Danks.

 


Post Noir | 1966 | France | Jean-Pierre Melville | José Giovanni | Lino Ventura | Michel Constantin | Paul Meurisse

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