Augenzeuge, Der

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Bewertung
***
Originaltitel
Eyewitness / The Janitor
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1981
Darsteller

William Hurt, Sigourney Weaver, Christopher Plummer, James Woods, Irene Worth

Regie
Peter Yates
Farbe
Farbe
Laufzeit
98 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
New York: In dem Bürokomplex The Weber Building ist der Vietnam-Veteran Daryll Deever (William Hurt) nachts als Hausmeister tätig. Im Keller sorgt er dafür, dass der Hausmüll in die Presse kommt, den er zuvor auf den Fluren eingesammelt hat, die von ihm gleichfalls gereinigt und gewachst werden. Vor dem Büro von Long International Trading Ltd. hält er inne. Dort wird trotz stets gearbeitet, und Deever erkundigt sich bei dem vietnamesischen Inhaber Mr. Long (Cao Chi Li), ob jener den Streit mit Darylls Kollegen Aldo Mercer (James Woods) nicht beilegen wolle, immerhin sei letzterer deshalb gefeuert worden. Aber Mr. Long ist unnachgiebig, er fühlt sich von Mercer tief verletzt und wünscht Daryll Deever einen schönen 4. Juli. Der Hausmeister schaltet die Alarmanlage ein, verlässt das Gebäude und fährt auf seinem schwarzen BMW-Motorrad nach Hause. Hier erwartet ihn sein zum Raufen und Spielen aufgelegter Hund Ralph, doch Deever iunteressiert sich eher für eine Videoaufzeichnung der heutigen Channel Five News. Darin berichtet die TV-Reporterin Antonia Sokolow (Sigourney Weaver) von der Broadwaypremiere des Musicals Robin aka Robin Hood, woran sie kein gutes Haar lässt. Aber Daryll Deever ist wie jeden Abend von der jungen Frau hingerissen… Im Hause der wohlhabenden Familie Sokolow gibt man mit dem Vater (Albert Paulsen) an der Violine, der Mutter (Irene Worth) am Cello und mit Antonia am Piano ein spätes Hauskonzert für geladene Gäste, allesamt jüdische Immigranten…
 
Es gibt in Büchern zum Film Noir und in Portalen des Internets kaum eine Liste zum Neo Noir post 1967, darin Peter Yates’ Der Augenzeuge nicht auftaucht, ansonsten erhält der Film jedoch nicht allzu viel Aufmerksamkeit. Das ist schon wegen der hier beteiligten Namen erstaunlich, mit den Filmstars William Hurt (30) und Sigourney Weaver (31) direkt nach ihrem Durchbruch in jeweils Der Höllentrip (USA 1980) und Alien- Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (USA/UK 1979) sowie natürlich Engländer Peter Yates, der mit Bullitt (USA 1968) zu Weltruhm gelangt war und aufgrund von Vier irre Typen (USA 1979) für den Oscar als bester Regisseur nominiert worden war. Schon bei diesem Coming-of-Age-Drama hatte sich Yates mit dem Drehbuchautoren Peter Tesich zusammen getan, der seinerseits eine Oscar-Nominierung fürs beste Drehbuch erhielt. So bündelten all diese jüngst vom Erfolg gestreiften Filmprofis ihre Talente für einen Thriller, der im Arbeitstitel und später in England The Janitor, also Der Hausmeister hieß, was dem Studio aber offensichtlich zu wenig reißerisch war, das ihn in den USA als Eyewitness ins Kino brachte - mit Blick auf die Handlung nicht gerade sinnvoll. Neben einem Mord, den die Polizisten Lieutenant Jacobs (Steven Hill) und Lieutenant Black (Morgan Freeman) aufzuklären suchen, nimmt sich das Skript viel Zeit, um die Charaktere in ihren verzweigten Familien- und Freundesbeziehungen vorzuführen, und nicht nur zu Beginn legt auch die Inszenierung Wert darauf, sogar Nebenfiguren mit einigem Hintergrund zu versehen. Yates präsentiert klasssisches Erzählkino und die Charaktere gewinnen an Substanz. Aber nach der ersten Hälfte will aus all diesem sorgsam angeordneten Szenraio nicht recht etwas Ganzes werden und die Auflösung ist allzu weit hergeholt und enttäuscht.
 
“Despite several strong individual scenes, the end result is a pretty scatterbrained effort from writer Steve Tesich”, bringt der Filmkritiker Andrew Good für The Parallax Review es auf den Punkt. Auch mancher Andere bemägelt die Zusammenführung der beiden Erzählstränge, diese enorm konstruierte Kehre ins Finale, das dann seinerseits nicht zu überzeugen vermag. Besonders eigenartig ist dabei, dass dies nicht zwangsläufig so hätte sein müssen. Die Geschichte selbst hätte auch eine andere Erzählstruktur nahegelegt, welche die Szenarien im Bürogebäude und jene im Familienkreis nicht dergestalt hätte auseinander divedieren müssen. Dennoch wäre eine zentrale Koinzidenz im Zentrum des Geschehens erhalten geblieben, die sich in der Filmfassung auch durch den intensiven Blick in jeweils unterschiedlichen Gesellschaftsschichten angehörige Familien von jeweils unterschiedlicher Herkunft - einmal Irland, einmal Israel - nicht vertuschen lässt. Sie stört in dem Sinne, als das sie den Film trotz seines geruhsamen Tempos als überfrachtet und konstruiert kennzeichnet. Wenn der Abspann über die Leinwand flimmert, bleibt beim Zuschauer ein schales Gefühl à la „Erwartungen nicht erfüllt!“ zurück, obwohl Der Augenzeuge über weite Strecken ein bemerkenswert kurzweiliges und kluges Filmerleben aus Hollywood ist. Zeitnah entstandene Neo Noirs wie Ein Mann für gewisse Stunden (USA 1980) oder Bis zum bitteren Ende (USA 1981), die bei mehreren Themen nicht weit entfernt liegen, sind zuletzt einfach besser.
 
Sehr gute deutsche DVD-Edition (2010) von Winkler Film mit demFilm ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch einwandfrei, mit jeweils der deutschen und der englischen Tonspur, optional deutsche Untertitel, den Kinotrailer sowie Audiokommentare von Peter Yates und Marcus Hearn als Extras. Lediglich das hässlich-reißerische DVD-Cover, das dem Charakter des Films nicht ansatzweise gerecht wird, ist ein Minuspunkt.
 

Neo Noir | 1981 | USA | Peter Yates | James Woods | Morgan Freeman | William Hurt

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