Deception

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Bewertung
**
Originaltitel
Deception
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2008
Darsteller

Hugh Jackman, Ewan McGregor, Michele Williams, Bruce Altman, Andrew Ginsburg

Regie
Marcel Langenegger
Farbe
Farbe
Laufzeit
103 min
Bildformat
Widescreen
 

 

Bild Bild Deception-Poster-web4.jpg Bild
© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
New York: Es ist spät am Abend, doch ein Wirtschaftsprüfer von Worth and Berman, Jonathan McQuarry (Ewan McGregor), sitzt hoch über den Straßen Manhattans in der Anwaltskanzlei Rutherford & Stern an der Grand Central Plaza, um die Buchhaltung zu prüfen. Er blickt auf die erleuchteten Wolkenkratzer und ist bereits müde, aber bis morgen muss er seine Arbeit hier abgeschlossen haben. Die Glastür zum Konferenzraum öffnet sich und Rechtsanwalt Wyatt Bose (Hugh Jackman) tritt ein und erkundigt sich freundlich nach McQuarrys später Anwesenheit vor Ort. Die beiden kommen ins Gespräch und völlig unerewartet zieht Bose einen Joint aus der Tasche und lädt McQuarry ein, mit ihm zu kiffen. Auf dem Konferenztisch sitzend und ins Lichtermeer der Großstadt blickend finden die Männer zueinander, rauchen und amüsieren sich… Auf dem Heimweg verpasst der Junggeselle McQuarry seine U-Bahn. Indessen er auf dem Bahnsteig wartet, bemerkt er neben sich eine junge Frau (Michelle Williams). Etwas unbeholfen versucht er Kontakt aufzunehmen, doch die Frau reagiert nicht, bis sie ihn plötzlich fragt, ob das die Linie zur Canal Street sei, was Jonathan McQuarry sofort bejaht. Sie steigen in verschiedene Waggons, doch durchs Fenster bemerkt McQuarry, wo die Frau aussteigt. Beim Versuch ihr zu folgen, bleibt er selbst in der Menschentraube vor der Waggontür stecken und schon fährt die U-Bahn wieder weiter...
 
Der vom schwedischen Regisseur Mikael Håfström gedrehte Neo Noir Entgleist (USA/UK 2005) ist eine passable Geschichte über eine Femme fatale und deren brutalen Freund, die einen Werbefachmann erpressen, seinerzeit mit Clive Owen, Vincent Cassel und Jennifer Anniston besetzt. Deception nach einem Drehbuch Mark Bombacks ist nicht das Remake dieses Films, es ist eine Kopie davon, insofern die Elemente von Håfström Film in ein etwas verändertes Setting transferiert werden und die Geschichte dann nach dem gleichen Strickmuster verläuft. Schon im Original waren die letzten 30 Minuten völlig unglaubwürdig, konnte doch die Handlung mit ihren ach so überraschenden Wendungen nicht Schritt halten, um ins Korsett eines Thrillers aus Hollywood zurückgezwängt zu werden. Immerhin kann Entgleist für sich verbuchen, in der ersten Hälfte halbwegs fies und konsequent zu sein, so dass zumindest hin und wieder etwas Spannung aufkommt. Im Fall von Deception erweist sich die Erzählung zuletzt als ein Haufen Bausteine aus Hollywoods Drehbuchschule, die vorn und hinten nicht zusammen passen und im Ganzen so lächerlich unglaubwürdig wie sinnlos erscheinen. Ich habe selten einen Neo Noir gesehen, der vor allem im Abschluss seinen Zuschauer derart für dumm verkauft, wie es Deception zumindest versucht. Hier ist Nomen wortwörtlich Omen: der Zuschauer wird um 103 Minuten seiner Lebenszeit betrogen. Das Waschblatt der deutschen DVD-Edition verspricht dem geneigten Käufer einen „packenden Erotikthriller im Stil von Basic Instinct - Paul Verhoevens einflussreichem Neo Noir von 1992. Aber Deception erweist sich als so erotisch wie eine Vorabendserie des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Wem es gelingt, bei diesem Machwerk aufmerksam zu bleiben, wird ohnehin bemerken, dass der Film grundsätzlich bieder und moralinsauer daherkommt.
 
“Even the performances by Ewan McGregor and Michelle Williams feel phoned in, and Hugh Jackman has never been worse”, schreibt Jim Hunter für Rotten Tomatoes. Ist das Drehbuch Schrott, wie es hier der Fall ist, stellt sich natürlich die Frage, ob zumindest die Akteure für Qualität sorgen. Die Antwort ist ein klares „Nein!“ Außer die in einer Nebenrolle als Police Detective Russo agierende LisaGay Hamilton gibt es keinen einzigen Darsteller, ob Mann oder Frau, der oder die der Rede wert wäre. Und Hugh Jackman ist tatsächlich, wie Hunter feststellt, kaum zu ertragen. Im Übrigen: Kein Wirtschaftsprüfer wäre in der Lage zu tun, was Jonathan McQuarry mühelos möglich ist. Auch wimmelt es von Koinzidenzen, von denen jede einzelne fürs Funktionieren des vermeintlichen Plans von entscheidender Bedeutung ist, d.h. ohne sie wäre das Kartenhaus der Intrige sofort eingestürzt. Man kann sich vorstellen, dass Deception genau die Art Film ist, aufgrund derer sich die großen Filmstudios Hollywoods inzwischen vom Thrillerkino mit seinen mittelgroßen Budgets verabschieden. Eingepfercht in neokonservative Standards, die ans Kino der 50er Jahre erinnern, so präsentiert sich Hollywood seit Beginn des neuen Jahrtausends, und Deception ist ein Ausweis des daraus entstehenden Dilemmas. Wer sich dann mal ansieht, was Drehbuchautor Mark Bomback ansonsten zuwege brachte, - Stirb langsam 4.0 (USA 2007) oder Total Recall (USA/CAN 2012) - den wundert gar nichts mehr. Deception ist die Travestie eines Neo Noirs und derlei Filme braucht kein Mensch - nicht heute, nicht morgen.
 
Gute BD- und DVD-Editionen (2011 und 2009) der Universum Film GmbH, München, die den Film ungekürzt im Originalformat mit wahlweise deutschem oder englischem Ton und optional mit deutschen Untertiteln zeigen, den Kinotrailer, einen Audiokommentar, geschnittene Szenen, zwei Featurettes und ein alternatives Ende als Extras.
 

Neo Noir | 2008 | USA | Marcel Langenegger | Dante Spinotti | Ewan McGregor | Charlotte Rampling

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