Vengeance

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Bewertung
**
Originaltitel
Fuk sau
Kategorie
Neo Noir
Land
HK/FRA
Erscheinungsjahr
2009
Darsteller

Johnny Hallyday, Sylvie Testud, Anthony Chau-Sang Wong, Ka Tung Lam, Suet Lam

Regie
Johnnie To
Farbe
Farbe
Laufzeit
104 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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China: Die gebürtige Französin Irene Thompson (Sylvie Testud) wohnt mit ihrem Mann (Vincent Sze) und den zwei Kindern auf der Halbinsel Macau. An einem regnerischen Tag dringen die Killer Wolf (Siu-Fai Cheung), Crow (Ting Yip Ng) und Python (Felix Wong) in die Villa der Thompsons ein und erschießen die gesamte Familie. Irene gelingt es, sich im oberen Stock mit der Pistole ihres Mannes zur Wehr zu setzen, dabei verliert Crow ein Ohr. Von mehreren Kugeln getroffen, überlebt Irene Thompson das Massaker wie durch ein Wunder. Ihr Vater, Francis Costello (Johnny Hallyday), ist Inhaber und Chefkoch des in Paris auf der Avenue de Champs-Élysées gelegenen Nobelrestraurants Le Frère. Jetzt besucht er in Macau seine schwerverletzte Tochter im Krankenhaus, die ihm mit seiner Hilfe mitteilen kann, dass einer der Attentäter sein Ohr verlor. Er muss in der Leichenhalle seine Enkel identifizieren und hat ein Gespräch mit der zuständigen Kommissarin Madam Wong (Maggie Siu), der Costello beim Abschied eine Serie von Polaroids vom Tatort stiehlt… Auftragskiller Kwai (Anthony Wong) besucht seinen Boss, den Mobster George Fung (Simon Yam), der soeben Papiere unterschreibt und seine Frau (Gwendolyn Chen) zum Abschied demonstrativ erregt vor aller Augen küsst, bevor er sie mit einem Leibwächter (Wai Lam) von dannen schickt. Er eröffnet Kwai, dass seine Frau mit exakt jenem Leibwächter, der sie nun begleitet, eine Affäre habe und dass er beide zu elliminieren wünsche. Er reicht Kwai einen Umschlag, der sich verabschiedet und sich schon bald mit Chu (Ka Tung Lam) und Fat Lock (Suet Lam) an die Arbeit macht…
 
Der Handlungsverlauf dieses Films ist der größte Unsinn, den ich in den letzten Jahren sah. Ist die Exposition des ersten Drittels vom klassischen Aufbau der Rollencharaktere in ihrem Verhältnis zueinander geprägt, so ist das abschließende Drittel, das dem Action-Einerlei des Mittelteils folgt, derart klischeehaft bis dämlich, dass die Geschichte zur Farce verkommt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sich der damals 69jährige französische Popstar Johnny Hallyday in der letzten Sequenz augenscheinlich selbst über den Unfug amüsiert, darin er die Hauptrolle spielt. Sympathisch mag das sein, den Film rettet es nicht. Dabei verspricht Vengeance eingangs ein dramaturgisch solides und technisch hochwertiges Kino, ist die Kameraarbeit Hung Mu Tos und Siu-Keung Chens (Mad Detective, HK 2007) doch erstklassig. Allerdings nervt die unaufhörliche und zum Klischee geronnene Nutzung der Zeitlupe bei fast allen Action-Sequenzen, gerade im besagten letzten Drittel. In den ersten 30 Minuten des Films bleibt der Zuschauer dran, und besonders die Montage der Zeitebenen, die das Verbrechen in seiner Gänze als Handlungstreiber präsentiert, wird effektiv dargeboten. Aber Nicht-Schauspieler Johnny Hallyday (der keinen Tag jünger aussieht, als er war) in der Unterwelt Macaus und Hongkongs als Racheengel vom Schlag eines Charles Bronsons? Meine Güte, was hat Regisseur Johnnie To sich dabei gedacht?
 
Bild Bild Bild
© Koch Media GmbH
 
Der seit 1980 aktive und für harte Actionfilme bekannte Johnnie To ist stark von Sergio Leone, Sam Peckinpah und Jean-Pierre Melville beeinflusst, alles herausragende Regisseure ihrer Zeit. Leone hatte für seinen Rache-Western Spiel mir das Lied vom Tod (ITA/ESP/USA 1968) den 63jährigen Henry Fonda als Kontrahenten eines 47jährigen Charles Bronsons auserkoren, dem der Film zum späten Durchbruch verhalf. Diesen und andere Italo-Western zitiert Johnnie To mit seiner opernhaft überblasenen Inszenierung von Kampfszenen und mit dem Pathos von Männerfreundschaften in schier endloser Wiederholung cooler Weltverachtung seit Jahr und Tag. In Vengeance kommt nicht nur durch die Rückblendentechnik, die urbane Szenerie und das Thema der Amnesie auch der französische Neo Noir zum Tragen. Obendrein ist es Monsieur Costello, der den Namen jenes Killers aus Melvilles Der eiskalte Engel (FRA/ITA 1967) tragen darf, den einst Alain Delon verkörperte, der auch in Vengeance die Hauptrolle hatte spielen sollen und absagte. Doch Hallydays Bemühen um Coolness ist zu steif und zu stoisch, die Gangster sind eingefroren im Klischeebild vom Gangstertum, wie es Hollywood & Co. seit Jahrzehnten vermittelt - sie sind Prototypen, keine Charaktere. Davon abgesehen: Die Wunderheilung der Schwerverletzten, die sich als Hobbychirurgen gegenseitig Kugeln aus diversen Körperteilen holen und danach wie Leistungssportler durch die Gegend hüpfen, ist jenseits der Groteske. Auch Simon Yams Over-Acting als Oberschurke George Fung trägt wenig zur Glaubwürdigkeit und zum Gelingen bei. Dass die Amnesie als Krankheit, wie sie Francis Costello erfährt, an Christopher Nolans Memento (USA 2000) und besonders an Erik Vaan Loys Mörder ohne Erinnerung (BEL/NL 2003) erinnert, ist kein Schaden. Der Racheplot als Legitimation für endloses Gemetzel ist allerdings derart abgedroschen und von keiner nennenswerten weiteren Entwicklung der Handlung aufgewertet, dass man nach 15 Minuten genau weiß, wohin das führen wird. Wenn die Erwartung dann sogar noch unterboten wird, gerät das Ganze zum Ärgernis.
 
Sehr gute deutsche BD- und DVD-Editionen (2010) der Koch Media GmbH mit dem Film ungekürzt (FSK 18) im Originalformat und bildtechnisch topp, dazu eine deutsche Tonspur oder den Originalton (großteils Englisch) mit optional deutschen Untertiteln, ein Making Of und den Kinotrailer als Extras.
 

 

Neo Noir | 2009 | International | Johnnie To | Anthony Wong | Johnny Hallyday | Ka Tung Lam | Lam Suet

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