Murder Without Crime

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Bewertung
***
Originaltitel
Murder Without Crime
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1950
Darsteller

Dennis Price, Derek Farr, Patricia Plunkett, Joan Dowling, Frederick Schrecker

Regie
J. Lee Thompson
Farbe
s/w
Laufzeit
73 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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London: Der Erzähler lässt die Zuschauer des folgenden Dramas wissen, dass es sich um eine jener Geschichten handelten, wie sie sonst vielleicht drei Menschen widerfährt, hier aber sei ein Quartett beteiligt... Der erfolglose Schriftsteller Stephen (Derek Farr) hatte sich nach einem Streit mit seiner Frau Jan (Patricia Plunkett), die ihm zum wiederholten Mal einen Seitensprung vorgehalten hatte, plötzlich allein in der gemeinsamen Wohnung gefunden. Jan war auf und davon, genaugenommen zu einem ex-Freund aus Jugendjahren, dem Womanizer Gordon Winter, vor dessen Haustür sie aber kehrtmachte, bevor sie sich in einem billigen Hotel einquartierte. Indessen war Stephen der Aufforderung seines unter ihnen wohnenden Vermieters Matthew (Dennis Price), eines maliziösen und sarkastischen Junggesellen, gefolgt und hatte mit ihm den Nachtclub The Teneriffe aufgesucht. Hier trafen die beiden am Tresen die hübsche Animierdame Grena (Joan Dowling), die sich mit Matthew über den wortkargen Trauerkloß Stephen lustig machte. Im Lauf einiger Drinks, die der Strohwitwer mit Grena genoss, taute er auf und begann sogar, an seiner Gesellschafterin Gefallen zu finden. Als er sich anderswohin begeben wollte, lehnte Grena scheinbar ab, doch vor der Tür saß sie bereits lächelnd in Stephens Cabriolet. Sie habe nur wegen Max (Frederick Schrecker), Inhaber des Clubs, so getan, als sei sie dem Rendezvous nicht zugetan, erklärte sie ihm In ihrer Wohnung bekam Stephen jedoch plötzlich kalte Füße und nahm Reißaus, was Grena allerdings nicht einfach hinnehmen wollte…
 
Der Debütfilm J. Lee Thompsons, der seit 1937 als Drehbuchautor und Dramatiker aktiv war und ab 1950 für vier Jahrzehnte als Regisseur, ist als Verfilmung seines eigenen Theaterstücks eine spürbar ambitionierte, zugleich auch mittelmäßige Arbeit. Dabei gibt es erstmal vieles, was für ihn spricht, sofern er aus dem sichtbar schmalen Budget, das Murder Without Crime als B-Produktion kennzeichnet, das Maximale herauszuholen weiß. Dennis Price ist erstklassig als der versnobte, kapriziöse Hauseigentümer Matthew, begünstigt durchs Erbe, das ihm zufiel, indessen er seine Nase in die Angelegenheiten seines schwächlichen, notorisch erfolglosen Mieters steckt. Wunderbar ist auch Joan Dowling als Animierdame Grena im Nachtclub The Teneriffe. Grena ist ganz und gar Attitüde, ihr Gesicht ein kosmetisches “Wunderwerk“, das zugleich ihre schelmische Natur verrät. Patricia Plunkett, eine gute Schauspielerin, und Derek Farr überzeichnen ihre Charaktere etwas klischeehaft, indem sie das Komödiantische hervorkehren, was teils plump und störend wirkt. Farr ist weit besser, wenn er das zugunsten eines doppelbödigen und zwiespältigen Charakters zurückstellen muss, wie etwa in Gerald Thomas‘ Interpol ruft Berlin (UK 1957). Trotz einigen Bemühens seitens der Regie wirkt der ohnehin kurze Film dialoglastig und in seinem Bühnencharakter latent fade. Daran vermag sogar der vor Esprit und Bissigkeit sprühende Matthew kaum etwas zu ändern - im letzten Drittel wird die Entwicklung der Handlung vorhersehbar.
 
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Derek Farr hatte 1948 mit der US-Schauspielerin Carol Landis in Die seidene Schlinge gespielt, ihrem letzten Film, bevor sie nach 4 gescheiterten Ehen und wegen ihrer unglücklichen Liebe zu Rex Harrison mit 29 Jahren Selbstmord beging. Joan Dowling starb 1954 wegen der Affären ihres Mannes Harry Fowler ebenfalls von eigener Hand, im Alter von nur 26 Jahren. Mit der Karriere von Dennis Price ging es ab 1950 bergab. Der fehlende Erfolg trieb ihn zu Alkohol und in zweitklassige Produktionen, Hauptrollen blieben ab Mitte der Fünfziger fast gänzlich aus. Patricia Plunkett, die 1947 im Film Noir Die Flucht vor Scotland Yard debütiert hatte, trat noch bis 1961 vereinzelt in Filmen auf und starb 1974 mit nur 47 Jahren. Tragik und Erfolgslosigkeit kürte die Riege der Darsteller bis auf Farr, der ab 1958 über Jahrzehnte hinweg fast nur fürs Fernsehen arbeitete. Lediglich J. Lee Thompson schaffte im Anschluss an ein Jahrzehnt hochwertigen Filmschaffens in England 1960 den Sprung nach Hollywood, wo er ab 1977 fast nur mehr Action-Filme mit Charles Bronson drehte, von denen der Neo Noir Murphy‘s Law (USA 1986) nochmals deutlich seine Klasse und seine Herkunft zeigte. Murder Without Crime ist eine obskure Fußnote in der Geschichte des englischen Film Noirs, allemal von schwarzem Humor gewürzt, tendenziell aber belanglos. Letzteres lässt sich von den nachfolgenden englischen Film Noirs J. Lee Thompsons nicht behaupten.
 
Die englische DVD (2013) von Network / Studiocanal präsentiert den Film in einer bild- und tontechnisch guten Qualität, ungekürzt im Originalformat mit dem original englischen Ton ohne Untertitel und ohne Extras.
 

Film Noir | 1950 | UK | J. Lee Thompson | Derek Farr | Dennis Price

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