Big Bang, The

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Bewertung
***
Originaltitel
The Big Bang
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2010
Darsteller

Antonio Banderas, Thomas Kretschmann, William Fichtner, Sienna Guillory, Autumn Reeser

Regie
Tony Krantz
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
97 min
Bildformat
Widescreen
 

 

 The-Big-Bang-Poster-web1.jpg Bild Bild Bild
 
Der in Los Angeles ansässige Privatdetektiv Ned Cruz (Antonio Banderas) sitzt mit blutendem Kopf an einem Tisch und wird von den Polizisten Frizer (Thomas Kretschmann), Poley (William Fichtner) und Skeres (Delroy Lindo) ins Kreuzverhör genommen. Sie glauben, dass er ihnen Informationen vorenthalte und drohen ihm sogar, obwohl Cruz in schlechtem Zustand ist. Schließlich berichtet er ihnen, wie er Hollywoodstar Adam Nova (James Van Der Beek), der ihn engagiert hatte, die Nachricht übermitteln musste, dass seine Karriere aufgrund delikater Fotos in Händen eines Webportals beendet sei, bevor jener seinen Kumpanen in erotischen Abenteuern, den Astrophyiker Russell (Robert Ernie Lee), als Feuerball durchs geschlossene Fenster seiner Villa schoss… Als Ned Cruz an diesem Abend, so richtig krank vom eigenen Job, in sein Büro zurückkam, stand dort der eben aus der Haft entlassene, ehemalige Boxweltmeister im Schwergewicht Anton „The Pro“ Protopov (Robert Maillet) und beauftragte ihn damit, seine Freundin Lexie Persimmon (Sienna Guillory) aufzuspüren, von der er lediglich eine Fotografie und massenweise ungestempelte Briefe hatte. Protopov saß im FCI Lompoc zu lebenslänglicher Haft verurteilt, doch er kam frühzeitig auf freien Fuß. Fünf Jahre zuvor hatte der russische Mobster Skinny Faddeev (Bill Marlowe) dem Champion Diamanten im Wert von 30 Millionen US-Dollar gegeben, damit er gegen Faddeevs Neffen einen Boxkampf in der dritten Runde verliere. Doch The Pro vermasselte die Sache…
 
”It is 2 am. I’m sick of Los Angeles, sick of bearing witness to human tragedy.” In seiner ersten Hälfte erweist sich The Big Bang im Aufbau der Geschichte als Referenz an die Weltsicht eines Raymond Chandlers, explizit als solche an die Verfilmung des Romans Murder, My Sweet (USA 1944) mit Dick Powell als Privatdetektiv Philip Marlowe und Mike Mazurki als hünenhaftem ex-Häftling Moose Malloy auf der Suche nach seiner Freundin Velma Valento (Claire Trevor). Autor Eric Jendresen und Regisseur Tony Krantz (Produzent von Mulholland Drive - Straße der Finsternis, FRA/USA 2001) bringen ihre smart und charmant überfrachtete Vorlage dank Shelly Johnsons Kameraarbeit und einer flotten Dramaturgie einigermaßen in Fluss. Auch die Darstellungskünste einer Handvoll gut gewählter Nebendarsteller – Bill Duke, Rebecca Mader, Delroy Lindo – trägt das seine dazu bei. In der zweiten Hälfte kommt unerwartet ein Schuss Science Fiction basierend auf einem populärwissenschaftlichen Cocktail zur Atomphysik hinzu, und spätestens im Finale ist die Schwarze Komödie, zu der der Film dann mutierte, keinesfalls zu übersehen. Angetrieben vom Soundtrack Johnny Marrs (ex-The Smiths) erlebt der Zuschauer mit ein wenig Gewalt und ein wenig mehr Erotik so etwas wie einen “Fun Ride“, der vor Absurditäten nicht zurückschreckt, sich als Popcornkino im Film-Noir-Stil erweist und trotz des enttäuschenden, vorhersehbar biederen Endes niemals verärgert. Man sollte wenig erwarten und nichts ernst nehmen, dann lässt sich The Big Bang für den Film-Noir-Freund durchaus goutieren. Der Großteil seiner Kritiker verriss den Anfang weltweit 2011 nur begrenzt ins Kino gekommenen Neo Noir allemal nach Strich und Faden.
 
Es sind teils die gleichen Leute, die einen Film wie Robert Aldrichs Rattennest (USA 1955) für die Quintessenz des US-amerikanischen Film-Noir-Kinos der 50er Jahre halten. Doch Hand aufs Herz: Dessen Handlung nach einem Roman Mickey Spillanes (EA 1952), darin Privatdetektiv Mike Hammer (Ralph Meeker) auf den Schlüssel zu einem Schließfach und darin schließlich auf eine Kiste mit hoch sensiblem und hoch explosivem radioaktiven Material stößt, war nach dem Stand der Atomphysik jener 50er Jahre mindestens (!) ein ebensolcher Hokuspokus wie der pseudophilosophische Quark zur Teilchenphysik in The Big Bang. Durch die Brille einer kulturarchäologisch motivierten Epochenbeschreibung erhält Robert Aldrichs überdreht am Zeitgeist orientierter Film Noir heute das Flair eines subversiv motivierten Akupunkturnadel in die Elefantenhaut der McCarthy-Ära zugesprochen, während man The Big Bang als überblasene Kuriosität einer auf Comic-Strip-Niveau angelangten Filmbranche ansieht. Das ist unfair und sollte beiderseits korrigiert werden, denn die Werke haben in mehrfacher Hinsicht etwas gemeinsam. Obgleich z.B. Irving Lerner sich für City of Fear (USA 1958) bei Aldrichs "Kiste" aus Rattennnest bediente, sind sie in ihrer obskuren Art auch einzigartig. The Big Bang schwächelt im zweiten Teil erheblich. Insofern ist der Film zwar kurzweilig, hat jedoch wenig Potential für einen Kultfilm. Doch diese Aussage gilt für hier und jetzt. Eine künftige Generation mag ihn mit ähnlichen Augen sehen, wie heutige Film-Noir-Freunde eine B-Produktion à la Rattennest bewerten.
 
Erstklassige DVD-Ausgabe (2012) der KSM GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, wahlweise die deutsche oder englische Tonspur, optional deutsche Untertitel, einen Audiokommentar, ein Making of, Extended Scenes, den Kinotrailer und eine Bildergalerie als Extras. Topp!
 

Neo Noir | 2010 | USA | Tony Krantz | Antonio Banderas | Bill Duke | William Fichtner

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