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Wendeltreppe, Die

Bewertung
****
Originaltitel
The Spiral Staircase
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1945
Darsteller

Dorothy McGuire, George Brent, Ethel Barrymore, Kent Smith, Rhonda Fleming

Regie
Robert Siodmak
Farbe
s/w
Laufzeit
81 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Neuengland um das Jahr 1916: Im Village Hotel einer Kleinstadt wird im Foyer inklusive Klavierbegleitung der Film The Kiss (USA 1914) gezeigt. Auch die stumme Helen Capel (Dorothy McGuire), die im Haus von Professor Warren (George Brent) und dessen kranker Mutter Mrs. Warren (Ethel Barrymore) als Dienstmädchen angestellt ist, besucht das seltene Spektakel. Während die Zuschauer den Film goutieren, geschieht im oberen Stockwerk auf Zimmer 9 ein Mord. Eine junge Frau (Myrna Dell), deren Kennzeichen eine Gehbehinderung ist, wird hinterrücks erdrosselt. Offenbar ein Serienmörder, der einzig Frauen mit einem körperlichen Gebrechen ins Visier nimmt, hat wieder zugeschlagen. Der Constable der Stadt (James Bell) erscheint am Tatort und schickt die Schaulustigen nach Hause. Der junge Dr. Parry (Kent Smith) kommt ebenfalls und bespricht sich mit seinem älteren Kollegen Dr. Harvey (Erville Alderson), einem gehörigen Zyniker, wegen des Mordes. Auf ihrem Weg stadtauswärts, das Anwesen der Warrens liegt 2 Meilen entfernt, wird Helen schließlich von Parry aufgelesen, der ihr eine Heimfahrt in seiner Kutsche anbietet. Der Doktor hat ein starkes Interesse an der Frau und ihrem Gebrechen, da sie einst aufgrund eines Schockerlebens ihre Stimme verlor. Er fragt sie nach ihren Plänen und bietet an, sie mit einem Aufenthalt bei Spezialisten in Boston dahingehend zu unterstützen, ihre Stimme zurück zu gewinnen. Auf halbem Weg kommt ihnen der kleine Freddy (Richard Tyler) entgegen gelaufen und bittet im Namen seines Vaters um ärztliche Hilfe. Dr. Parry muss, wenn er es auch ungern tut, Freddys Bitte Folge leisten, und Helen den Rest des Weges allein laufen. Unglücklicherweise zieht eine Sturmfront herauf und Helen hat allen Grund sich zu beeilen, zumal ihr offenbar jemand folgt…
 
Was hat der gotische Thriller im Stil von Hitchcocks Rebecca (USA 1940) und der besten Horrorfilme aus Val Lewtons Produktion mit einem Film Noir zu tun? Tatsächlich zeichnet den Hybriden vor allem die Handschrift seines Regisseurs aus, des deutschen Exilanten Robert Siodmak, der von Anbeginn eine dunkel dräuende Atmosphäre kreiert. Atmosphäre ist das Stichwort, denn sie ist trotz des quasi romantisierenden Settings und seiner viktorianischen Requisiten keine Minute lang unbeschwert. Über allem liegt der Schatten jener Zeit, die den Film Noir gebar, dem dieser Thriller in vielen Momenten sogar inhaltlich nahekommt. Die Entfremdung der Protagonistin ist mit dem Fehlen ihrer Stimme als dem wesentlichen Instrument einer Teilnahme an jedweder Kommunikation in Gesellschaft von vornherein deutlich bezeichnet. Krankenschwester wollte sie werden, vielleicht Lehrerin – all das geht ohne Stimme nicht. So lebt sie abgeschlossen im Hause der Warrens außerhalb der Stadt. Der Film, den sie eingangs sieht, ist so stumm wie sie selbst. Mit seinem Ende ist dessen Protagonistin so tot wie die Frau im Stockwerk über ihr. Der Tod auf der Leinwand und der im Hotelzimmer kommen zeitgleich. Sie, Helen die Femme fragile, hat er knapp verfehlt. Doch etwas zerstört die zarte Balance ihres Schattendaseins, das Robert Siodmak eindringlich bebildert - mit dem Eintritt Helens ins Haus der Warrens stilistisch ein Film-Noir-Szenario par excellence.
 

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Unmittelbar vor Die Wendeltreppe hatte Siodmak drei Film Noirs gedreht: Zeuge gesucht (USA 1944) nach Cornell Woolrich, Christmas Holiday (USA 1944) nach W. Somerset Maugham und The Strange Affair of Uncle Harry (USA 1945). In ihnen hatte er seinen vom Expressionismus geprägten Stil quasi zur letzten Reife stilisiert, so dass er mindestens wie Fritz Lang und Billy Wilder zu denen gerechnet werden muss, die dem Film Noir sein Aussehen gaben. In den vier genannten Filmen mit Siodmak als Regisseur gab es unterschiedliche Kameramänner – Elwood Bredell, Paul Ivano, Nicholas Musaraca. Dennoch brachte Robert Siodmak mit dem Nachfolger Rächer der Unterwelt / Die Killer (USA 1946) den Stil seines Film Noirs endgültig zur Perfektion. Die Wendeltreppe ist kein Film Noir im engen Sinn. Er ist ein Hybrid verschiedener Stilrichtungen, die in jenen Mittvierzigern noch im Werden begriffen waren. Doch gerade dieser Film war sowohl mit Blick auf den Film Noir als auch auf den Psychothriller in Sachen Bildsprache stilbildend. In Deutschland ist er heute so gut wie vergessen und wartet wie so viele Filmklassiker seit Jahr und Tag auf eine Erstveröffentlichung als BD oder als DVD.
 
Die englische DVD von der Prism Leisure Corp. (2001) zeigt den Film in einer bildtechnisch fast erstklassigen Fassung, ungekürzt und im Originalformat, dazu eine gut verständliche, englische Tonspur. Extras sind diverse Kurzbiografien, die Rezension der New York Times und eine Fotogalerie. Rundum empfehlenswert!
 

Film Noir | 1945 | USA | Robert Siodmak | Nicholas Musuraca | George Brent | Kent Smith | Rhys Williams | Ellen Corby | Elsa Lanchester | Rhonda Fleming

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