Auf eigene Faust

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Bewertung
***
Originaltitel
Ride Lonesome
Kategorie
Western Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1959
Darsteller

Randolph Scott, Karen Steele, Pernell Roberts, James Best, Lee Van Cleef

Regie
Budd Boetticher
Farbe
Farbe
Laufzeit
70 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Columbia Pictures Corporation
 
In einer zerklüfteten Landschaft gewaltiger Findlinge und Felsen der südlichen Ausläufer der Sierra Nevada ist Kopfgeldjäger Ben Brigade (Randolph Scott) am helllichten Tag auf der Spur des jungen Mörders Billy John (James Best) und seiner Schergen. Er findet ihn sorglos am Lagerfeuer sitzen, wo Billy John seinem Verfolger klar macht, dass sich seine vier Begleiter hinter umliegenden Felsen versteckt halten und nur auf den Befehl warten, ihn zu töten. Doch Brigade hat just selbst seinen Colt in der Hand und weist den Flüchtigen darauf hin, dass er diesen Befehl wohl mit dem Leben bezahle. Billy John muss erkennen, dass sein Plan nicht aufgeht und brüllt Charlie (Dyke Johnson) zu, dass er sich mit den Anderen auf den Weg zu seinem Bruder Frank (Lee Van Cleef) begeben und ihm mitteilen solle, dass Brigade ihn nach Santa Cruz bringen wolle, wo Billy John einen Mann von hinten erschoss. Ben Brigade entwaffnet seinen Mann und legt ihm Handschellen an, bevor er ihn auf sein Pferd steigen lässt. Nachdem sie ein längeres Stück geritten sind, erreichen sie eine Poststation, die von der Ferne verlassen aussieht. Billy John hofft, dass seine Begleiter Ben Brigade in einen Hinterhalt locken, doch als sie ankommen, treffen sie lediglich auf Sam Boone (Pernell Roberts), einen Bekannten Brigades, und dessen Partner Whit (James Coburn). Boone erkennt Billy John und hat selbst von dessen Tat in Santa Cruz bereits gehört. Der Stationswart ist unterwegs, aber die Gegend ist aufgrund von Indianern aktuell sehr unsicher…
 
“Funny, ain't it? How a thing can seem one way, and then turn out altogether something else?” Tatsächlich ist die für den Western so typische Trennung in üble Schurken und Gesetzeshüter mit oder ohne Stern aufgehoben. Darauf bezieht sich das Zitat, welches zum Ende des Films aus der Sicht eines Protagonisten die Entwicklung zusammenfasst. Aber auch Delmer Daves’ Zähl bis drei und bete (USA 1957) war in seiner Ambivalenz einen deutlichen Schritt vom Spektrum der Westernklischees abgewichen, indem er diese Grenze bewusst fließend gestaltete, seinen Protagonisten in Versuchung führte und seinem Gegenspieler menschliche Züge verlieh. Schon Raoul Walshs Vogelfrei (USA 1949) und Fred Zinnemanns 12 Uhr mittags (USA 1952) bahnten den Weg für einen Western, der zeitgenössische Entwicklungen reflektieren half, die im US-amerikanischen Film (Noir) in der Gegenwart der McCarthy-Ära nicht länger wohl gelitten war. Doch Auf eigene Faust ist - dank der völlig unglaubwürdig inszenierten Festnahme Billy Johns zu Beginn auch mit einem schwachen Entree versehen! - weit davon entfernt, eine subversive Note sein eigen zu nennen. So sind die Indianer, wenn sie nicht kriegen, was sie begehren, (etwa die Ehefrau genau jenes Mannes, den sie zuvor töteten) eine Horde mörderischer Wilder, gegen die nur Waffengewalt hilft. Und jeder kleine böse Bruder hat einen großen bösen Bruder, der ihn entweder rächen oder befreien will, und gemeinsam akkumulieren sie das Böse schlechthin, das nun nicht länger an den eben doch (großteils) Guten mit zwiespältiger Vergangenheit haften bleibt. So mag die Westernwelt Budd Boettichers mit einer Tradition, die den Altstar Randolph Scott mit 60 in seinem sechsten und vorletzten Scott-Boetticher-Western auftreten sieht, zwar einige interessante Schattierungen aufweisen. Doch gemessen am Film Noir der Vierziger, der hier u.a. reflektiert wird und für die etwas anderen Rollencharaktere sorgt, ist Auf eigene Faust stets konventionelle Unterhaltung aus Hollywood, die so kurzweilig ist, wie sie harmlos bleibt.
 
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© Columbia Pictures Corporation
 
Viele Kritiker schätzen die Budd-Boetticher-Western heute genau wegen jener (halbwegs) gebrochenen Anti-Helden, zu denen auch Kopfgeldjäger Ben Brigade zu zählen ist. Dass sich der Western in den 50er Jahren aus dem Schatten John Fords und seiner ewigen Typologie von Helden herausbewegte, hatte er neben Anthony Mann (Fluch des Blutes, USA 1950) eben auch Budd Boetticher zu verdanken. Was hingegen das Publikum schätzt, sind die schnörkellosen Geschichten, die oft aus der Feder von Burt Kennedy (Der Mörder in mir, USA 1976) stammten, in den 60er und 70er Jahren selbst einer der letzten Western-Regisseure Hollywoods. Aber so geradlinig sie zu sein scheinen, so sehr zehren sie vom Dunkel einer Vergangenheit, das in Figuren wie Ben Brigade fortlebt. Brigade ist ein ehemaliger Sheriff, der inzwischen als einzelgängerischer Drifter einzig der Rache für sein ruiniertes Leben verpflichtet ist und sein Amt ernüchtert und enttäuscht niederlegte. Genaues erfahren wir nicht, doch schnell ist klar, das jener so wie jeder hier sein Schicksal selbst in die Hand nimmt. Solch moralische Ambivalenz macht neben dem Auftritt Lee Van Cleefs und der Kameraarbeit Charles Lawtons jr. den Film sehenswert. Ein Muss ist er jedoch nicht; vielen Cineasten bietet das Werk dann doch zu wenig.
 
Es gibt eine exzellente deutsche DVD-Edition (2011) in der seinerzeit aus 15 Filmen bestehenden Reihe Western der Süddeutsche Zeitung Cinemathek, bildtechnisch topp und ungekürzt im Originalformat mit Tonspuren auf Deutsch oder Englisch, ohne Untertitel und ohne Extras, doch im schönen Digipack mit Filmfotos und einem Essay von Gottfried Knapp plus eines kurzen Portraits Budd Boettichers und der mit Randolph Scott initiierten Ranown-Serie aus sieben B-Western zwischen 1956 und 1960. Auf eigene Faust ist nicht in Schwarz-weiß, wie auf dem Cover vermerkt, er ist in Farbe zu sehen.
 

Western Noir | 1959 | USA | Budd Boetticher | Burt Kennedy | Charles Lawton jr. | James Coburn | Lee Van Cleef

Submitted by Rieslingrübe (nicht überprüft) on 1. Juni 2016 - 9:24

Permanenter Link

Ich finde 'Ride Lonesome' und 'Comanche Station' (1960) ganz passabel - aber nicht so empfehlenswert wie zwei frühere Western von Budd Boetticher: 'Seven Man From Now' (1956) und 'The Tall T' (1957).

Diese zwei Titel verdienten meiner Ansicht nach eine Erwähnung und nähere Analyse hier in dieser Sparte.

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