Im Schatten des Zweifels

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Bewertung
****
Originaltitel
Shadow Of A Doubt
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1943
Darsteller

Joseph Cotten, Teresa Wright, Macdonald Carey, Henry Travers, Patricia Collinge

Regie
Alfred Hitchcock
Farbe
s/w
Laufzeit
103 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Universal Studios
 
In Philadelphia bewohnt Charlie Oakley (Joseph Cotten) bloß ein schäbiges Zimmer, so als müsste er sich trotz seines Vermögens, das er bar in einer Reisetasche verwahrt, vor jemandem verstecken. Und tatsächlich sucht die Polizei seit geraumer Zeit einen Witwenmörder. Mehrfach hat er zugeschlagen und seine Opfer dabei vollständig ausgeraubt. Als Oakley bemerkt, das die Beamten auf seiner Spur sind, beschließt er, bei Verwandten in Kalifornien unterzutauchen. Nachdem der charmante und beliebte Onkel Charlie, als der Oakley dort gilt, sich in Santa Rosa bei der Familie Newton angekündigt hat, ist vor allem seine Nichte „Young“ Charlie (Teresa Wright) in heller Aufregung. Von Küste zu Küste reist Oakley mit dem Zug durch die USA und bezieht im gutbürgerlichen, kleinstädtischen Haushalt von Joseph (Henry Travers) und Emma Newton (Patricia Collinge) sein Gästezimmer. Alle freuen sich von Herzen über den seltenen Gast, der den Duft der weiten Welt ins Haus bringt. Doch bald bemerkt Young Charlie, dass mit ihrem geradezu vergötterten Onkel etwas nicht stimmen kann…
 
Mit Rebecca (USA 1940), seinem ersten Hollywoodfilm überhaupt, und mit Verdacht (USA 1941) hatte Alfred Hitchcock zwei Filme gedreht, die stilistisch und inhaltlich auch für den Film Noir der Vierziger wegweisend wurden. Im Schatten des Zweifels war dann sein erster Film Noir und er ist zugleich von der ersten bis zur letzten Minute Hitchcock pur. Die Schuld der Unschuldigen und die Unschuld des Schuldigen – derlei Ambivalenzen haben Hitchcock in vielen seiner Werke interessiert. Meisterhaft ausgeführt ist das in Der falsche Mann (USA 1956) und in Der Fremde im Zug / Verschwörung im Nordexpress (USA 1951). In letzterem greift er das Thema des pathologischen Mörders wieder auf, das er auch mit der Figur des Charlie Oakley in Im Schatten des Zweifels behandelt. In gänzlich anderer Art, als es Fritz Lang stilbildend in M – eine Stadt sucht einen Mörder (GER 1931) ins Zentrum rückte, nimmt auch Alfred Hitchcock den Faden auf, um vor Ort in Santa Rosa manche Facette der bürgerlichen Gesellschaft zu durchleuchten.
 
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© Universal Studios
 
Dabei war ihm unter anderem Thornton Wilder behilflich. Der US-amerikanische Dramatiker schrieb das Drehbuch. Zudem hat Hitchcock aufgrund einer durch den Krieg bedingten Finanzknappheit viel vor Ort und wenig im Studio drehen können. Nicht zuletzt dieser Umstand bewirkt die realitätsnahe Atmosphäre im bürgerlichen Newton-Haus. Ausgiebige Charakterstudien und eine Familie im Zentrum sind für Hitchcock sonst untypisch, zumal es auf eine Kriminalhandlung im engen Sinn nicht ankommt. Das teils zwillingsartige und vielschichtige, von erotischen Untertönen keinesfalls freie Verhältnis von Young Charlie und Onkel Charlie bestimmt und trägt den Film. Die Darsteller agieren durchweg exzellent - mit Wallace Ford und Hume Cronyn in bemerkenswerten Nebenrollen. Im Schatten des Zweifels war zeitlebens Alfred Hitchcocks liebster Film aus der eigenen Werkstatt. Einer besonderen Erwähnung ist auch der Hollywoodkomponist Dimitri Tiomkin wert, der in seiner Filmmusik an mehreren Stellen ein Hauptthema aus Franz Lehárs Die lustige Witwe variiert.
 
Universal Pictures International bringt den Film in einer technisch sauberen Bildrestauration, ungekürzt im Originalformat, deutsche und englische Tonspur, 7 verschiedene Untertitel, ein Making Of als Bonusfilm und den US-Kinotrailer als weiteres Extra. Eine empfehlenswerte Edition!
 

 

Film Noir | 1943 | USA | Alfred Hitchcock | Wallace Ford | Joseph Cotten | Hume Cronyn | Teresa Wright

Submitted by Gast (nicht überprüft) on 25. Mai 2013 - 11:47

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Hab' mir 'Shadow of a Doubt' gestern Abend nach Jahren mal wieder angeschaut. Immer wieder sehenswert, aber mittlerweile doch 'n bissl angestaubt. Gleiches gilt für 'Notorious' (USA 1946). Sehr detailreich und liebevoll ist auf jeden Fall die Zeichnung der idyllischen Kleinstadtfamilie - Vater, Mutter, Kinder & Nachbarn.

Natürlich musste man damals besondere Rücksicht auf die Zwänge der Zensur nehmen. In völliger künstlerischer Freiheit hätte ich mir gewünscht, dass Hitchcock hier ein brisantes Inzestmotiv ungeniert ausspielt: Der attraktive Onkel weiht seine junge Nichte, die sich zumindest am Anfang schwer zu ihm hingezogen fühlt, früh in seine dunklen Geschäfte ein; er verspricht einen Schlussstrich unter seine kriminelle Vergangenheit (bzw. gibt dies zumindest vor) und verführt die junge Charlie im Schlafgemach nach allen Regeln der Kunst.

Als sie ihm nach regelmäßigen Beischlafzuwendungen immer höriger wird, taucht plötzlich der Polizist als bedrohlicher Gegenspieler auf und flirtet ebenfalls heftig mit dem Mädchen. Young Charlie gibt nach und entwickelt sich vom einst keuschen & strebsamen Schulmädchen nun immer mehr zum nymphomanen Biest, das sich zwei reifere Liebhaber gleichzeitig leistet. Was nicht nur zu allerlei Verwicklungen sondern schließlich auch zu einem tödlichen Showdown zwischen dem Cop und dem Erbonkel führt. Diese Story hätte womöglich eher das Potential zu einem waschechten Film-Noir-Klassiker besessen...

Auch die Filmmusik von 'Shadow of a Doubt' kommt für meinen Geschmack an einigen Stellen etwas altbacken und übertrieben melodramatisch rüber. Der Soundtrack des 13 Jahre später entstandenen 'The Wrong Man' (USA 1956) ist im Vergleich stimmiger und absolut zeitlos. Besser könnte man das auch heute nicht neu komponieren.

Submitted by Gast (nicht überprüft) on 18. Juni 2015 - 10:18

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"Unter Verdacht" ist ein Film Robert Siodmak, Hitchcocks etwas überschätzter Klassiker hieß und heißt schlicht "Verdacht". Eine Feinheit vielleicht, aber ein solcher Fehler sollte nicht passieren!

Es gibt Leser dieses Portals, die uns regelmäßig darauf aufmerksam machen, wenn es in einer der inzwischen knapp 900 Filmbesprechungen einen Fehler gibt - sei er formaler oder inhaltlicher Art. Wir sind dankbar für diese Unterstützung, denn bei dem, was hier an Input geleistet wird, kann sich eben mal ein Fehler einschleichen. Es sollte nicht vorkommen, aber möglich ist es doch... Ihr Kommentar zeigt uns zum ersten Mal in knapp fünf Jahren, dass man dazu natürlich auch eine andere Auffassung haben kann.

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